Der Sächsische Brauerbund hat auf seiner jüngsten Jahresversammlung am gestrigen Freitag in Görlitz ein Memorandum verabschiedet, mit dem er die Politik für das Problem sensibilisieren will. Unter dem Titel "Mehrweg statt mehr Wege" weist der SBB auf die seiner Ansicht nach akute Gefährdung des Mehrwegsystems durch den Trend zur Individualflasche hin. Diese Flaschen bleiben im Besitz von Brauereien und müssen aussortiert und getauscht werden.

Weil dieser Trend zunimmt, müssten derzeit jährlich etwa eine Milliarde Individualflaschen aussortiert, gelagert und zurückgeführt werden, beklagt Steffen Dittmar, Präsident des SBB, der elf mittelständische Brauereien im Freistaat vertritt.

"Das ist eine ökologische Katastrophe und verursacht allein uns Mehrkosten von jährlich 150 000 Euro", so Katrin Bartsch, Geschäftsführerin der Landskron-Brauerei Görlitz. Als Lösung schlägt der Sächsische Brauerbund unterschiedliche Pfandsätze für Standard- und Individualflaschen vor, die "im Handel zu einer weitgehend sortenreinen Erfassung führt und letztendlich wieder eine verstärkte Nutzung der Standardflasche stimuliert".

Doch haben die sächsischen Brauereien durchaus auch Grund zur Freude. So konnten sie im letzten Jahr ihren Absatz gegenüber 2010 um zwei Prozent steigern. "Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die sächsischen Brauer immer wieder etwas Neues einfallen lassen", betont Steffen Dittmar, der selbst die Geschäfte der Bergquell Brauerei Löbau GmbH führt. "Mit 310 sächsischen Biermarken der unterschiedlichsten Sorten haben die Freunde des Gerstensaftes hier eine angenehme Qual der Wahl." Mit einem jährlichen Bierverbrauch von 145 Litern pro Kopf der Bevölkerung liegt Sachsen weit über dem deutschen Durchschnitt (108 Liter), beim Absatz belegt der Freistaat nach Bayern und Nordrhein-Westfalen Platz drei.