Für die Brandursachenermittler der Polizei lassen sich sowohl auf dem Gemüsehof Ricken als auch am Gasthaus Kaupen No 6 in Lehde nach ersten Erkenntnissen technische Defekte als Auslöser für die Feuer diagnostizieren. Im Klartext läuft das oft auf defekte Leitungen oder elektrische Geräte hinaus.

Die beiden Häuserbrände im Oberspreewald-Lausitz-Kreis scheinen sich damit an die Spitze der häufigsten Brandursachen deutschlandweit einzureihen. Denn aus der Statistik der zehn häufigsten Brandursachen (siehe Grafik), die das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) für mehr als ein Jahrzehnt erstellt hat, geht hervor: Mehr als ein Drittel sind auf Defekte an der Elektrik zurückzuführen.

Akribische Kleinarbeit

Bis genaue Angaben zu Vetschau und Lehde vorliegen, "müssen die LKA-Ermittler akribische Kleinarbeit leisten", schildert der Cottbuser Polizeisprecher Torsten Wendt. Sämtliche Steckdosen, Kabelverläufe und Schaltkästen am Brandherd würden untersucht, bevor eine genaue Ursache festgehalten wird. Massiver Löschmitteleinsatz erschwere die Spurensuche.

"Mitunter erscheint es dem Bürger dann so, als ließen sich die zuständigen Experten viel Zeit", sagt Wendt. Das treffe jedoch nicht zu. Denn außer dem LKA ermittele oft auch der Schadenversicherer die Brandursache.

"Bei den technischen Defekten gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Wir müssen da jeden konkreten Fall anschauen", erläutert Rolf Neumann. Vor dem Hintergrund der am häufigsten auftretenden Schäden an elektrischen Anlagen weist der Pressesprecher des Versicherers Feuersozietät Berlin Brandenburg darauf hin, dass die Kombination mit menschlichem Versagen nicht so selten ist.

A und O: regelmäßige Wartung

Der Sprecher nennt als Beispiel überlastete und falsch verlegte elektrische Leitungen. Es komme auch vor, dass der Biegeradius für Kabel zu gering gewählt werde und damit unerwünschte Spannungen entstehen. Oder, in einem völlig verdreckten Stromkasten könne sich Staub entzünden. "Wir weisen", so Hoffmann, "unsere Kunden auf die regelmäßige Wartung ihrer Elektroanlagen hin."

Der Spremberger Elektroinstallationsmeister Guno Berger kennt aus eigener Erfahrung, wie Angebote zu prophylaktischen Wartungen angenommen werden. Was gewerblich geregelt sei, gehe an den Privathaushalten nahezu vorbei. Er zählt nur einige Gefahrenstellen auf: Waschmaschine und Elektroherd an einem Mehrfachstecker; Schaltnetzteile hinter Schränken versteckt; eingebaute Leuchten, die Wärme in Decken und Wärmedämmung abstrahlen; marode Alu-Kabel in dafür nicht vorgesehene moderne Steckklemmen.

"Hier kann es überall brenzlig werden", sagt Berger, der auch Vorstandsmitglied der Elektro-Innung Niederlausitz ist. "Wir bieten unseren Kunden einen E-Check, der auf solche Schwachstellen hinweist. Aber das wird noch viel zu wenig wahrgenommen."

Die deutschlandweite Initiative "Elekro+" hat auch vor dem Hintergrund von elektrischen Ursachen bei Bränden dazu aufgerufen, in den Stromkreisen von Altbauten FI-Schutzschalter nachzurüsten. Zwar gebe es keine Pflicht zu den Schutzmaßnahmen, aber die Initiative rät aus Sicherheitsgründen dazu.

Ein FI-Schutzschalter greift, wenn elektrische Leitungen marode oder beschädigt sind. Dann fließt ein Teil des Stroms nicht über Installationsleitungen, sondern sucht sich neue Wege und kann den Menschen gefährden. Ein FI-Schutzschalter misst konstant den Stromfluss, und ein Relais unterbricht schon bei kleinsten Unterschieden den Stromkreis. Das betrifft auch Überhitzungen, die Brände auslösen können.

Das Nachrüsten übernimmt ein Fachmann, der die Schutzschalter in die Haus- oder Wohnungsverteilung der Stromkreise für Licht und Steckdosen getrennt einsetzt.