Das Besondere des Falles fasst Richter Christian Eicke in der Urteilsbegründung so zusammen: "Sie haben kriminelles Unrecht begangen, aber sie sind kein Krimineller." Die dritte große Strafkammer unter seinem Vorsitz verurteilte den 23-jährigen Thomas B. wegen mehrfacher Brandstiftung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Drei Jahre lang muss sich der Landmaschinenschlosser straffrei führen und nachweisen, dass er innerhalb von vier Wochen eine ambulante Psychotherapie beginnt oder zumindest seine Krankenkasse um Terminvermittlung gebeten hat.

Unbewältigte Familienprobleme

Thomas B. hatte 2013/14 auf vielen kleinen Waldflächen in der Nähe von Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) Feuer gelegt, aber später auch in Schuppen, einer Scheune und einer Lagerhalle. Als Erklärung für sein Handeln hatte er vor Gericht unbewältigte familiäre Konflikte angegeben.

Der jüngste von vier erwachsenen Söhnen hatte sich nach der Trennung der Eltern an die Seite seiner Mutter und gegen den Vater gestellt. Mit den daraus resultierenden Spannungen sei er nicht klargekommen, habe sich zurückgezogen und gegrübelt.

Voll schuldfähig

Er habe mit den Bränden keinen großen Schaden anrichten wollen, hatte er vor Gericht versichert. Der jeweils danach einsetzende Trubel habe ihn abgelenkt und ihm dadurch Erleichterung verschafft. Thomas B. war selbst Mitglied der freiwilligen Feuerwehr im Ort, half dabei, von ihm gelegte Brände zu löschen. Ein Bruder von ihm war Wehrführer.

Der psychiatrische Gutachter Jürgen Rimpel bescheinigte dem Schlosser eine unverminderte Schuldfähigkeit bei seinen Taten. Er habe zwar eine neurotische Persönlichkeitsstruktur und daraus in der familiären Konfliktsituation eine Anpassungsstörung entwickelt. Das schränke jedoch seine Schuldfähigkeit nicht ein.

Staatsanwalt Ruprecht Pfeffer hatte dreieinhalb Jahre Haft für Thomas B. gefordert. Dem umfassenden Geständnis bei der Polizei und der Aussage des Angeklagten im Prozess stehe die Gemeingefährlichkeit von Brandstiftungen gegenüber. Die werde deshalb auch als Verbrechen bewertet und mit mindestens einem Jahr und bis zu zehn Jahren Haft bestraft. "Sie haben über vier Monate eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt", hielt Pfeffer in seinem Plädoyer dem geständigen Feuerleger vor.

Fast die Hälfte der Taten wertete auch der Staatsanwalt als "minderschwere Fälle". Der gesamte Sachschaden betrug auch nicht wie bei Anklageerhebung vermutet fast eine halbe Million, sondern weniger als 200 000 Euro. Trotzdem, so der Anklagevertreter, müsse Thomas B. in Haft.

Schulden auf Lebenszeit

Das Gericht überzeugte er damit jedoch nicht. Das folgte der Argumentation von Verteidiger René Jentzsch. Der hatte in seinem Schlussvortrag intensiv dafür argumentiert, Thomas B. den Gefängnisaufenthalt durch eine Bewährungsstrafe an der oberen Grenze von zwei Jahren zu ersparen. Sein Mandant habe sich ohne Verfolgungsdruck bei der Polizei offenbart und auch Taten zugegeben, die man ihm vermutlich nie hätte nachweisen können.

Ohnehin sei er durch die Schadenersatzforderungen bis an sein Lebensende belastet. Er werde nie ein Einkommen für sich behalten können, das oberhalb der Pfändungsgrenze liegt.

Fehldiagnose Alkohol

Ein kritisches Licht warf der Prozess auf die psychiatrische Betreuung in der Region. In den Krankenakten von Thomas B. habe er "haarsträubende Dinge" gelesen, so der psychiatrische Gutachter Jürgen Rimpel. Im Finsterwalder Krankenhaus habe man B. zum Beispiel als schweren Alkoholiker auch mit Medikamenten behandelt.

Anlass waren offenbar seine zittrigen, schweißnassen Hände und Angaben über regelmäßigen Bierkonsum. "Das war kurz nach dem Geständnis, da hat er sicher vor Aufregung gezittert", so Rimpel. Auch als er später selbst Thomas B. untersucht habe, seien dessen Hände schweißnass gewesen. Alkoholkrank, so Rimpels Überzeugung, war B. nie.

In einer Klinik in Lübben sei dann bei dem Schlosser eine mittelschwere Depression diagnostiziert, in die Akte jedoch der Diagnoseschlüssel für eine schwere, chronische Depression eingetragen worden. Nach den Symptomen war es nur eine leichte Form der Erkrankung, so Rimpel.