Warum kippen die Bürger ihren Dreck einfach irgendwohin? Die Verantwortlichen reagieren mit Schulterzucken. "Das ist einfach nicht erklärbar, schließlich kann man alles kostenlos abgeben", empörte sich nicht nur der zuständige Referatsleiter im Städte- und Gemeindebund, Thomas Golinowski. So könnte jeder Sperrmüll unentgeltlich abholen lassen oder auf Wertstoff-Höfen alte Elek trogeräte abgeben. "Dennoch werden nicht selten ausgediente Fernseher schlicht an Wertstoffsammelplätzen abgeladen", sagte Golinowski. Allein die Landeshauptstadt Potsdam zählte im vergangenen Jahr 180 irgendwo abgestellte TV-Geräte und Monitore. Zudem registrierte sie fast 410 Tonnen Restabfall sowie 195 Tonnen Sperrmüll, die nicht ordnungsgemäß entsorgt worden waren. Wie eine Stadtsprecherin berichtete, wurden in den vergangenen Jahren bei Tauchaktionen aus Gewässern unter anderem Fahrräder zutage befördert.Durch Umzüge viel SperrmüllDie Stadt Cottbus als zweitgrößte Kommune im Land Brandenburg musste nach Angaben der Stadtverwaltung im vergangenen Jahr knapp 190 Tonnen illegal verkippten Müll entsorgen; 2007 waren es sogar fast 300 Tonnen. "2007 stieg der Wert insbesondere durch Abrisse von Großwohnanlagen überdimensional", erläuterte Sybille Schneider von der Stadtverwaltung. Ihre Erklärung: "Bei Abrissmaßnahmen fällt durch die Umzüge der Mieter eine große Menge Sperrmüll an, und die Mieter haben kein Interesse mehr an der Sauberhaltung des Wohnumfeldes."Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit hält auch Ralph Mülle, Koordinator bei der Abfallwirtschaftsbehörde der Stadt Frankfurt (Oder), für das Hauptmotiv der Müllsünder. Hinzu komme "kleinkriminelle Energie", denn die illegale Entsorgung sei kein Kavaliersdelikt. Die Missetäter können jedoch nur selten geschnappt werden, wie alle Kommunen berichteten. "Dabei drohen empfindliche Bußgelder", betonte Golinowski.Von Möbeln bis FarbrestenAuch im Wald landen Dinge, die dort nichts zu suchen haben. Fast 7700 Kubikmeter illegalen Mülls - vom Möbelstück bis zu Farbresten - seien im vergangenen Jahr dort entsorgt worden, sagte Christian Naffin vom Landesbetrieb Forst. "Der Wald wird verantwortungslos als kostenlose Müllkippe missbraucht." Obendrein landet Abfall am Rand von Autobahn-Raststätten oder auf dem Standstreifen. "Allein im vergangenen Jahr wurden unter anderem 16 Wracks alter Autos, 41 Kühl schränke und mehr als 1000 Autoreifen illegal an Brandenburgs Autobahnen entsorgt", sagte die Sprecherin des Landesbetriebs Straßenwesen, Cornelia Mitschka.Die illegale Müllentsorgung treffe im Endeffekt jeden Bürger, betont Golinowski. "Denn die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten werden auf die Müllgebühren draufgeschlagen."