ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:28 Uhr

Brandenburgs Tierhalter machen mobil gegen Wölfe

Brandenburgs Landwirte fühlen sich vom Wolf in ihrer Existenz bedroht. Der Landwirt müsse die Nummer eins im ländlichen Raum sein, fordert etwa Egon Rattei. Erst danach solle „Liebhaberei“ für Wölfe, Kormorane oder Biber kommen. Foto: dpa
Brandenburgs Landwirte fühlen sich vom Wolf in ihrer Existenz bedroht. Der Landwirt müsse die Nummer eins im ländlichen Raum sein, fordert etwa Egon Rattei. Erst danach solle „Liebhaberei“ für Wölfe, Kormorane oder Biber kommen. Foto: dpa FOTO: dpa
Gahry. „Brandenburg ist kein Wolfsland“ – mit dieser Kernaussage haben Tierhalter mehrerer Verbände in Brandenburg ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet. Sie wollen damit die Landespolitik auf ihre wachsenden Sorgen im Umgang mit den Wölfen im Süden des Landes aufmerksam machen. Von Bodo Baumert

Ein Spannungsfeld zwischen Tierhaltern und Wolf - das ist es, was Matthias Schannwell vom Landesbauernverband Berlin-Brandenburg, sieht. Bis zum Mai sei dies nur ein Problem der Schafhalter gewesen. Nach dem Wolfsüberfall auf eine Rinderherde bei Welzow (Spree-Neiße/SPN)) sehen sich die Tierhalter nun in ihrer Gesamtheit bedroht. Schannwell: "Der Wolf gefährdet die Prosperität im ländlichen Raum."

Mit ihrer Meinung fühlen sich die Landwirte in der Mehrheit. In den betroffenen Gebieten genieße der Wolf keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Dass es in Umfragen oft anders aussehe, weist Egon Rattei, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße, mit dem Verweis auf "Leute in den Ballungsgebieten" ab.

Eindringlich schildert Petra Rösch, Geschäftsführerin der Landwirte GmbH Terpe/Proschim (SPN), ihre Erlebnisse. Ihre Herde war es, die im Mai von Wölfen angegriffen worden sein soll. Wie viele Tiere insgesamt verschwunden oder dem Wolf zum Opfer gefallen sind, kann sie noch gar nicht sagen. Allerdings sieht sie den Aufwand, den sie zum Schutz ihrer Herden betreiben muss. "Wir gehen jeden Tag mit Angst und Schrecken zur Arbeit", sagt sie. Auch auf die Tiere habe sich die Panik nach den Wolfsattacken übertragen. Vom Landesumweltamt hatte man ihr im Mai rasche Hilfe versprochen. "Die haben uns dann eine Rolle Flatterband in die Hand gedrückt. Eine Rolle - das war ein Witz", beklagt Petra Rösch. Entschädigungen wurden erst vor vier Tagen überwiesen - weniger Geld als beantragt.

"Wir fühlen uns von der Politik alleingelassen", bestätigt Gerald Kaltschmidt, einer der größten Schafhalter in Südbrandenburg. Als bei ihm 2006 die ersten Schafe von Wölfen gerissen wurden, habe er in Sachsen rasch und unkompliziert eine Entschädigung erhalten. "In Brandenburg sind wir heute immer noch nicht so weit." Kaltschmidt hat mit Herdenschutzhunden die Zahl der Wolfsangriffe in den Griff bekommen. Nur eines seiner 1400 Muttertiere wurde in diesem Jahr gerissen. Dafür allerdings entstehen ihm hohe Kosten.

"Tierhaltung ist ein Centgeschäft", sagt Helmut Baum, Geschäftsführer der Bauern AG Neißetal aus Schenkendöbern (SPN). Deshalb sei ein vollständiger finanzieller Ausgleich für die Kosten der Betriebe im Wolfsgebiet nötig. "Wer den Wolf will, soll auch dafür zahlen", sagt Petra Rösch. Jürgen Piesker, Rinderhalter aus Lübben: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch im Spreewald Schaden anrichten wird."

Die Landwirte fordern deshalb einen Wolfsmanagementplan mit folgenden Punkten:

Ausweisung exakt abgrenzbarere Wolfsgebiete,

Festlegung der Höhe der Wolfspopulation,

Entnahme von Problemwölfen,

Förderung von Herdenschutzhunden und

Rechtsanspruch auf vollständigen finanziellen Ausgleich und Umkehr der Beweislast für die Landwirte.

Als "Problemwölfe" sehen die Landwirte Tiere an, die bereits einmal eine Vieh- oder Schafherde überfallen haben. Solche Wölfe sollten eingefangen werde, empfiehlt Schannwell. Egon Rattei geht noch einen Schritt weiter: "Der Wolf sollte dem Jagdrecht unterstellt werden."

Widerstand gibt es von Naturschützern. "Der Landesbauernverband macht sich zum Anwalt einer so nicht existierenden Wolfsgegnerschaft", sagt Katharina Weinberg, Landesgeschäftsführerin des Nabu Brandenburg. Sie verweist auf Sachsen, wo das Zusammenleben von Wolf und Tierhalter seit Längerem funktioniere. "Bislang hat in der sächsischen Lausitz kein Landwirtschaftsbetrieb wegen der Wölfe seinen Betrieb einschränken oder aufgeben müssen."