Am Montag soll Matthias Platzeck wiederkommen. Nach drei Wochen Urlaub an einem unbekannten Ort soll er in die Potsdamer Staatskanzlei zurückkehren und seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. Oder ankündigen, wie es mit ihm weitergeht. Nach seinem Schlaganfall im Juni hatte Platzeck erklärt, einen Rücktritt nicht auszuschließen.

"Alles, was mit Schlussfolgerungen zu tun hat, hat seine Zeit, und ich werde mir diese Zeit nehmen", hatte Platzeck Ende Juni auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei erklärt. "Ich bin bis Herbst 2014 gewählt, alles andere wird sich zeigen."

Auch die Brandenburger SPD sieht deshalb in gespannter Erwartung dem kommenden Montag entgegen: "Wir müssen alle abwarten, was passiert", sagt SPD-Generalsekretär Klaus Ness der RUNDSCHAU. Platzeck sei immer noch im Urlaub, da störe man sich nicht gegenseitig. Die Stimmung in der Partei sei ruhig und gelassen: "Man kennt ihn und weiß, wenn er eine Entscheidung trifft, dann ist das richtig."

Ähnlich äußert sich der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei, der Abgeordnete Thomas Domres, gegenüber der RUNDSCHAU. "Ich hoffe, dass Platzeck sich erholt hat und ab Montag seine Arbeit wieder aufnimmt." Ein Rücktritt des Ministerpräsidenten ist für Domres schlicht "nicht vorstellbar". "Ich hoffe, dass er als Ministerpräsident weitermacht, und will mich deswegen nicht an Spekulationen beteiligen."

Doch Spekulationen gibt es in Potsdam derzeit viele: Um seine Gesundheit zu erhalten, könnte Platzeck zum Beispiel eines seiner beiden anderen Ämter abgeben, den Vorsitz der Landes-SPD oder den Vorsitz des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft. Damit Letzteres in Würde geschehen kann, wäre freilich das Erreichen eines Meilensteins auf dem Weg zur Flughafeneröffnung angebracht - also etwa die Bekanntgabe eines Eröffnungstermins. Würde Platzeck dagegen den Vorsitz der Landes-SPD abgeben, würde ihn das zu einem Ministerpräsidenten auf Abruf machen. Der Nachfolger auf diesem Posten, zum Beispiel Innenminister Dietmar Woidke (SPD) würde zum Kronprinzen auch für das Amt des Ministerpräsidenten werden. Und Matthias Platzeck gilt als Machtmensch und Kontrollfreak, der immer alles am liebsten selber macht.

Doch der Ministerpräsident muss sich entscheiden: Denn schon 2005/2006, als er zusätzlich zu seinen Brandenburger Ämtern noch den Vorsitz der Bundes-SPD übernommen hatte, fing sein Körper an zu streiken. Die Hörstürze damals waren genauso Warnsignale wie die Virusinfektion vor seiner Israelreise im Frühjahr. Und zuletzt der Schlaganfall, der sich ebenfalls wiederholen kann. Immer alles selber machen zu wollen, könnte da schwerwiegende Folgen haben.

Genährt werden die Spekulationen um Matthias Platzeck auch durch die Staatskanzlei. Denn offizielle Termine für die Zeit nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten gibt es noch nicht. "Das wird alles erst entschieden, wenn sein Urlaub vorbei ist", sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Gerlinde Krahnert.

Doch auf einen Rücktritt des populären Ministerpräsidenten hofft in Brandenburg nicht einmal die Opposition. "Ich hoffe, Ministerpräsident Platzeck konnte sich erholen und Kraft sammeln für die wichtigen Entscheidungen für Brandenburg", sagte der designierte Spitzenkandidat der Landes-CDU, Michael Schierack, der RUNDSCHAU.

Und Gregor Beyer von der FDP erklärte, auf eine klare Entscheidung Platzecks zu hoffen: "Egal, ob er weitermacht oder geht - das Entscheidende ist, dass die Landesregierung insgesamt ihre Arbeit macht", so Beyer. Er fürchte, dass das Land "in der Phase der Wahlkämpfe in einen Zustand gerät, in dem es nicht mehr regiert wird". Das kommende Jahr bis zur Landtagswahl 2014 dürfe "kein verschenktes Jahr werden", dafür trägt auch Platzeck die Verantwortung".