Brandenburgs Polizei ist durch die Demonstrationen fremdenfeindlicher Gruppen in Potsdam offenbar an ihrer Belastungsgrenze angekommen. "Unsere Leute kommen aus den Stiefeln nicht mehr heraus", warnte der Sekretär der Gewerkschaft der Polizei, Michael Peckmann, gegenüber der RUNDSCHAU. "An einem Tag gibt es eine Demonstration in Potsdam, am nächsten in Strausberg, und dann müssen noch Fußballspiele abgesichert werden." Bei allen Terminen müssten entsprechend Kräfte eingesetzt werden, weil man nie wissen könne, in welche Richtung sich alles entwickele. "Die Pogida-Demonstrationen sorgen dafür, dass rund 400 Einsatzkräfte gebunden sind", sagt Peckmann. Dafür würden neben den Hundertschaften der Bereitschaftspolizei auch Kräfte des Wach- und Wechseldienstes zusammengezogen. "Der Alltagsbetrieb der Brandenburger Polizei ist erheblich beeinträchtigt."

Betroffen von der neuen Einsatzlage ist auch der Kampf gegen die Grenzkriminalität. In den vergangenen Jahren hatte das Potsdamer Innenministerium dafür schwerpunktmäßig die Hundertschaften der Bereitschaftspolizei eingesetzt. Doch diese Beamten werden nun ebenfalls für Einsätze bei Demonstrationen benötigt. Wie die stellvertretende Sprecherin des Potsdamer Innenministeriums, Susann Fischer, gegenüber der RUNDSCHAU bestätigte, standen 2014 im Durchschnitt 267 Bereitschaftspolizisten pro Woche für den Kampf gegen die Grenzkriminalität zur Verfügung. 2015 waren es nur noch 150.

"Der Arbeitsschwerpunkt der Bereitschaftspolizei hat sich seit September 2015 tatsächlich verlagert: Es standen verstärkt Einsatzlagen im Zusammenhang mit der Asylthematik im Mittelpunkt. Insbesondere ist die Bereitschaftspolizei bei einer Vielzahl von asylkritischen Demonstrationen sowie auch beim Schutz von Asylunterkünften gefragt", sagte Fischer. "Diese Einsätze haben zur Folge, dass die bisherigen Maßnahmen der Bereitschaftspolizei zur Bekämpfung der Grenzkriminalität nicht mehr im gleichen Umfang wie zuvor fortgesetzt werden konnten."

Zuvor hätten die Einsätze der Bereitschaftspolizei allerdings Wirkung gezeigt. Die Kriminalität in den Grenzregionen sei zumindest im ersten Halbjahr 2015 zurückgegangen.

Wie es im zweiten Halbjahr, als die Flüchtlingskrise auf ihren Höhepunkt zurollte, aussah, könne das Ministerium derzeit aber noch nicht sagen.