Nach einem der RUNDSCHAU vorliegenden internen Strategiepapier sollen bis April 2003 jedoch „drei Frauen und drei Männer“ in die engere Wahl kommen – und in den nächsten Monaten zeigen, was in ihnen steckt.
Aber im Gegensatz zum TV-Spektakel „Deutschland sucht den Superstar“ soll bei der PDS zunächst alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Auswahl der sechs Kandidaten, so heißt es in dem internen Papier, „sollte möglichst lange geheim bleiben“. Man will eine ungestörte und intensive Vorbereitung der Kandidaten sicherstellen.

Eine Frau statt Christoffers
Zwar werde mit diesem Verfahren, so wird eingeräumt, bereits eine Präferenz geschaffen. Doch sei das Recht des Parteitages, sich dann 2004 auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten festzulegen, dadurch nicht beeinträchtigt.
Nach RUNDSCHAU-Recherchen gibt es innerhalb der PDS Bestrebungen, nicht den ehrgeizigen Landeschef Ralf Christoffers, sondern eine Frau zur Spitzenkandidatin zu wählen. Hintergrund der Überlegungen ist, dass „eine junge, kluge und attraktive Frau“ am besten gegen den populären Ministerpräsidenten Matthias Platzeck sowie gegen den bei der Landtagswahl bereits 67-jährigen CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm punkten könne. Auch gilt Christoffers als „zu spröde“.

Sympathieträger gesucht
In der Fraktion gebe es mehrere Frauen, die Punkte für die PDS machen könnten, heißt es. Heimliche Favoritin ist die ehemalige „Miss Bundestag“ Dagmar Enkelmann, die, so ein PDS-Genosse, sogar bei „Deutschland sucht den Superstar“ eine Chance hätte.
Hintergrund der strategischen Überlegungen ist, dass die PDS aus einer denkbar schlechten Ausgangsposition in den Landtagswahlkampf zieht. Sie hat seit der letzten Landtagswahl ein Viertel ihrer Wählerschaft verloren und ist in der Wählergunst auf 17 Prozent geschrumpft. Da sich SPD und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, muss sie fürchten, zwischen den beiden zerrieben zu werden.
In der Analyse heißt es bereits, dass das ursprüngliche Ziel, zweitstärkste politische Kraft zu werden, „in weite Ferne gerückt ist“. Da man mit politischen Inhalten beim Wähler nicht mehr ankommt, brauche man Sympathieträger, eben Superstars.