Von Benjamin Lassiwe

Vor allem die Cottbuser werden kämpfen müssen: Wenn am Wochenende die Landesvertreterversammlung der Linken in Wildau zusammenkommt, um die Reihenfolge der Kandidaten auf der Landesliste für die Landtagswahlen am 1. September zu beschließen, müssen die in der Lausitzmetropole antretenden Kandidaten Matthias Loehr und Stefan Ludwig um ihre Listenplätze streiten.

Denn als im letzten Dezember Landesvorstand und Landesausschuss der Linken einen Vorschlag für die ersten zehn Plätze der Kandidatenliste erarbeitet hatten, war man sich genau bei diesen Personalien uneins. Loehr sollte nach dem Willen des Landesausschusses auf Platz acht antreten, der Landesvorstand allerdings sprach sich für den Landesschatzmeister der Partei, Ronny Kretschmer aus Ost­prignitz-Ruppin, aus.

„Es gibt unterschiedliche Voten, und meine Kandidatur ist ein Angebot an die Partei“, sagte Loehr der RUNDSCHAU. „Ich kandidiere für Listenplatz acht.“ Und im Unterschied zu anderen Bewerbern hat Loehr im Kandidatenheft für den Landesparteitag keine anderen Plätze angegeben, auf die er sich bewirbt. Doch auch der Landtagsabgeordnete Carsten Preuß und weitere Bewerber haben angekündigt, ins Rennen um Platz acht zu gehen.

Ludwig, dessen Qualitäten als Justizminister auch bei den Linken umstritten sind, findet sich dagegen gar nicht unter den Vorschlägen für die ersten zehn Listenplätze. Er will laut Kandidatenheft erst ab Platz zwölf antreten. „Stefan Ludwig war immer ein guter Abgeordneter, der in der Fraktion viel weggeschafft hat“, sagt Loehr. „Ich fände es schwierig, wenn wir jetzt auf ihn verzichten.“

Doch auf den hinteren Plätzen der Landesliste wird das Gedränge groß sein. Wie viele Direktmandate die Linken bei den nächsten Landtagswahlen holen werden, ist fraglich. Sollten weder Ludwig noch Loehr sichere Listenplätze holen, könnte das im Extremfall bedeuten, dass einer der stärksten Kreisverbände der Linken – die Lausitz entsendet genau wie Potsdam zwölf Delegierte nach Wildau – nach der Wahl nicht mehr im Landtag vertreten ist. Denn auch die für Spree-Neiße antretende Landtagsabgeordnete Anke Schwarzenberg, die ab Listenplatz elf kandidieren will, hat einen guten Listenplatz derzeit keineswegs sicher.

Unstrittig sind dagegen die Spitzenkandidaturen. Gewerkschaftsfunktionär Sebastian Walter und die Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg werden bei der Wahl am Wochenende wohl gute Ergebnisse einfahren. Denn die Landesvorsitzende Diana Golze hatte ja nach einigem Hin und Her ihre Ambitionen auf die Spitzenkandidatur aufgegeben. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, der Prignitzer Abgeordnete Thomas Domres, wird für Listenplatz sechs wohl keinen Gegenkandidaten haben.

Dagegen muss Gesundheitsstaatssekretär Andreas Büttner, der in Templin kandidiert, auf Listenplatz zehn mit Gegenkandidaturen rechnen. Und die Prenzlauer Studentin Anna-Frieda Reinke will ab Listenplatz 13 antreten – was auch ihr im Erfolgsfall noch einen sicheren Platz im Landtag böte.

Die Linken liegen in aktuellen Meinungsumfragen in Brandenburg bei stabilen 17 Prozent, das wären 17 bis 18 Mandate. Und auch die nächsten Positionen auf der Landesliste könnten sich zumindest noch Hoffnung machen, im Laufe der Legislaturperiode als Nachrücker ins Parlament einzuziehen.