Das Dorf Lieske (Oberspreewald-Lausitz) wird durch eine eventuelle Genehmigung des beantragten Tagebaus Welzow-Süd, Teilfeld II keiner Rutschungsgefahr ausgesetzt. Das ist nach Auskunft von Klaus Freytag, Chef des Brandenburger Landesbergamtes in Cottbus, der Kern einer fachlichen Stellungnahme die seine Behörde bei der für Bergbau zuständigen Abteilung der Landesplanung eingereicht hat. Dort wird zurzeit das Braunkohleplanverfahren für Welzow-Süd, Teilfeld II geführt.

Im Rahmen dieses Planverfahrens hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende August ein Kurzgutachten vorgelegt, das für Unruhe in der Region gesorgt hatte. Geologe Ralf Krupp hatte in dieser Untersuchung die Standsicherheit von Lieske bezweifelt, weil der Ort durch den neuen Tagebau auf einer schmalen Landzunge zwischen Grube und Sedlitzer See stehen bleiben würde.

Erinnerung an Nachterstedt 2010

Eine auf der Landzunge vorgesehene unterirdische Dichtwand soll die Grundwasserabsenkung eindämmen. Sie könnte unterspült werden oder durch den großen Druck des Sees der gesamte Erdpfeiler instabil werden, so die Aussagen des Greenpeace-Gutachtens. Dadurch könnte, ähnlich wie bei der Katastrophe von Nachterstedt 2010, ganz Lieske in den neuen Tagebau rutschen.

Diesem Schreckensszenario wird von den Geologen des Landesbergamtes nun klar widersprochen. "Die Einbindehorizonte für die unterirdische Dichtwand sind da, eine Unterspülung ist nicht zu befürchten", so Bergamtschef Freytag. Auch die Standsicherheit des Erdblockes, auf dem Lieske stehe, sei nachgewiesen. Dazu habe seine Behörde nicht nur das umfangreiche Datenmaterial aus dem geologischen Archiv des Landesbergamtes ausgewertet, sondern auch Proben untersucht, die aus den Fräsungen des laufenden Dichtwandbaus am Tagebau Welzow-Süd gewonnen wurden.

Zurzeit in Terminabsprachen

Vor Wochen schon hatte das Brandenburger Landesbergamt in Cottbus Greenpeace angeboten, die in der Behörde vorhandenen umfangreichen Daten aus Jahrzehnten geologischer Erkundung in der Region einzusehen. "Wir befinden uns jetzt in Terminabsprachen dazu", so Freytag.

Inzwischen gibt es einen weiteren fachlichen Schlagabtausch zwischen Gutachtern, die im Auftrag von Greenpeace und im Auftrag des Energiekonzerns Vattenfall tätig waren und die sich mit dem geplanten Erweiterungsfeld Welzow-Süd II beschäftigen. Ende September hatte Greenpeace ein juristisches Gutachten von Professor Silke Laskowski von der Universität Kassel veröffentlicht. Danach verstoße die geplante Braunkohlegrube wegen der Beeinträchtigung des Grundwassers gegen die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU) und sei deshalb rechtswidrig.

Vattenfall antwortete jetzt darauf mit einem 70-seitigen Gutachten des Leipziger Rechtsanwaltes Professor Bernd Dammert. Darin würden, so Vattenfall, der Greenpeace-Gutachterin "grobe Fehler" nachgewiesen. Sie habe relevante Entscheidungen der höchst- und obergerichtlichen Rechtssprechung gänzlich unbeachtet gelassen. "Wir werden das Gutachten von Vattenfall gründlich prüfen", kündigte dazu Karsten Smid von Greenpeace in Hamburg an.