„Es gab schon Imker, die Totalverluste melden mussten – ihnen sind die Bienen schlicht verhungert“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, Reiner Gabriel, am Freitag in einem Gespräch. Ein möglicher Grund: Um die Brut bei frostigen Temperaturen zu schützen, zogen sich die Bienen zu Trauben zusammen und kamen nicht mehr an die Futterwaben heran.

Denn schon im vergangenen Herbst versorgten die Imker ihre Völker mit Zuckerlösung, die die Bienen in ihre Waben füllten, um Nahrung für den Winter zu haben. Aus den Waben hatten die Bienenhalter zuvor den Honig entnommen. Kommen die Insekten dort nicht mehr heran oder ist schon alles aufgefressen, verenden sie. Verluste gab es laut Gabriel auch wieder durch die gefährliche Varroa-Milbe und Pflanzenschutzmittel. „Wir können aber erst Anfang/Mitte April die Verluste genau beziffern.“

Nachwuchs gesucht

In Brandenburg gibt es nach Angaben Gabriels rund 25 000 Bienenvölker und etwa 1800 Imker – von Berufs- bis Hobby-Imkern. „Uns plagen seit Jahren massive Nachwuchssorgen, das Durchschnittsalter beträgt 64 Jahre.“ Im vergangenen Jahr konnten gerade einmal 158 neue Imker gewonnen werden. Auch die Zahl der Bienenvölker ist eher mager. „Derzeit haben wir rund 0,9 Völker pro Quadratkilometer, nötig wären mindestens 4,5 Völker.“ Das Defizit wirke sich vor allem auf die Obsternte aus. „Denn ohne die Bienen ist Obstanbau gar nicht, Landwirtschaft insgesamt kaum vorstellbar.“ Immerhin könnten die Insekten etwa an Rapsfeldern für Ertragssteigerungen bis 35 Prozent sorgen.

Gefährlicher Genmais-Anbau

Mit wachsender Sorge sehen die Imker den Anbau von Genmais. „Wir dürfen und wollen diese Pollen nicht in unserem Honig haben“, sagte Gabriel. Zwar sei Mais ein Selbstbestäuber, fehle den Bienen aber im Herbst das Angebot, gingen sie auch an Mais-Pollen. „Wir fordern daher einen Abstand von mindestens drei Kilometern, wenn nicht sogar sechs Kilometern zwischen Genmais-Feldern und Bienenständen.“ Denn der Genmais-Anbau gefährde die Imker in ihrer Existenz. „Gerade die Älteren können nicht mehr aus den ,Gefahrenregionen' ziehen und müssen dann schlimmstenfalls die Imkerei aufgeben.“

Das Thema Genmais soll unter anderem am Sonntag bei der Vertreterversammlung der märkischen Imker in Werben (Spree-Neiße) diskutiert werden. Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) habe sein Kommen zugesagt. Gabriel gibt sich kämpferisch: „Wir wollen künftig agieren und nicht nur reagieren.“

Imke Hendrich