Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag und im Berliner Abgeordnetenhaus hatten eine Studie zur künftigen Strom- und Wärmeversorgung in Berlin und Brandenburg in Auftrag gegeben. Die Berechnungen der Experten vom Berliner Reiner Lemoine Institut sollten zeigen, dass bis zum Jahr 2030 eine Vollversorgung der Region mit erneuerbaren Energien möglich ist. Ein umstrittener Nachweis ist den Autoren der Studie aber nur zu einem Teil gelungen, nämlich in Bezug auf den Strom. Die Wärmeversorgung aus einhundert Prozent erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 bleibt auch aus ihrer Sicht ein Traum.

Am Freitag wurde die Studie an der BTU in Cottbus zum ersten Mal in breiter Öffentlichkeit diskutiert.

Der Bedarf an Wärmeenergie in den beiden Ländern ist 2,5-mal so groß wie der Bedarf an elek trischem Strom. Um den Bewohnern ausschließlich mit erneuerbaren Energien "einzuheizen", wäre ein massiver Austausch von Heizungen nötig. Aus Sicht der Experten müssten mindestens fünf Prozent fossiler Heiztechnik in jedem Jahr ausgetauscht werden. Derzeit liegt die Renovierungsrate etwa bei zwei Prozent. "Damit deckt die Studie auch einen frommen Selbstbetrug der Grünen auf", räumt Axel Vogel ein. Nach Auffassung des Grünen-Fraktionschefs im Landtag wird die Bedeutung der Wärmeerzeugung massiv unterschätzt.

Während sich die Berliner und Brandenburger Grünen von der hundertprozentig ökologischen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2030 verabschieden müssen, halten sie die vollständige Versorgung der Region mit Ökostrom für möglich. Argumente dafür soll ihnen die Lemoine-Studie liefern.

Kritiker der Studie halten die Rahmenbedingungen der Berechnungen aber für zu theoretisch. So würden die Länder Berlin und Brandenburg als abgeschlossenes System betrachtet. Hinzu komme die "Unberechenbarkeit" der Erneuerbaren. Um eine stabile Stromversorgung auch bei Windstille und in der Nacht zu sichern, würden riesige Energiespeicher nötig, die bisher nicht in Sicht seien, erklärte BTU-Professor Harald Schwarz, ein international anerkannter Stromnetz-Experte. "Ja, wenn wir Speicherkapazitäten von 500 Gigawatt und ein massiv ausgebautes 400-KV-Leitungsnetz hätten, könnte ich mir alles vorstellen", sagte Schwarz am Freitag bei der Podiumsdiskussion. Abgesehen von den ungeklärten technischen Fragen seien diese Voraussetzungen bis 2030 aber nicht zu schaffen.