Der Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel, hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck am Dienstag zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe durch sein Agieren im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft "massiven Schaden über das Land gebracht", sagte der Grünen-Chef vor Journalisten in Potsdam. Am Montag soll der Potsdamer Landtag zu einer von allen Fraktionen beantragten Sondersitzung zusammenkommen. Platzeck hatte angekündigt, in dieser Sitzung die Vertrauensfrage stellen zu wollen.

Die Fraktionschefs von SPD und Linken, Christian Görke und Ralf Holzschuher, erklärten jedoch am Dienstag, dass die Regierungsmehrheit im Potsdamer Landtag steht.

Die FDP beantragte indes die Einrichtung eines gesonderten BER-Ausschusses, in dem alle Flughafenangelegenheiten abgehandelt werden sollen. Unfreiwillige Schützenhilfe erhält der Ministerpräsident dabei von der CDU. Deren Fraktionsvorsitzender Dieter Dombrowski äußerte vor Journalisten überraschend sogar Verständnis dafür, dass Platzeck am Montag den Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft übernommen hatte.

Immerhin werde der Flughafen in Brandenburg gebaut, "und wenn sich keiner um den Job reißt - Herr Bomba wird es ja wohl nicht machen", so Dombrowski. Rainer Bomba (CDU) ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Ferner sprach sich Dombrowski für eine namentliche Abstimmung bei der Vertrauensfrage des Ministerpräsidenten aus.

Doch eine namentliche Abstimmung hat Nebenwirkungen: Ein Ergebnis wie in Schleswig-Holstein, wo bei einer als "Heidemörder"-Fall bekannt gewordenen Abstimmung Abgeordnete aus der eigenen Koalition im Schutz der Wahlkabine die Wahl von Heide Simonis (SPD) zur Ministerpräsidentin verhinderten, ist damit wohl ausgeschlossen - und das nicht nur wegen der deutlichen Mehrheit der Regierungskoalition im Parlament.

Die Oppositionsfraktionen warnten gestern auch vor massiven Mehrkosten, die durch die erneute Terminverschiebung auf das Land zukommen werden.

Vogel rechnete mit zusätzlichen Ausgaben im "mindestens dreistelligen Millionenbereich", der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski sprach von zwei Milliarden Euro. So wie auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner warnte er zugleich vor den Schadenersatzansprüchen der Gewerbetreibenden am Flughafen. "Ich glaube nicht, dass das Land 2014 ohne Neuverschuldung auskommt", so Büttner.

Doch selbst das Regierungslager übt bei der Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Flughafens mittlerweile Zurückhaltung. Der Flughafen werde "mittelfristig" in die Gewinnzone kommen, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Holzschuher. Einen Zeitpunkt, wann das der Fall sei, nannte er nicht. Auch Görke betonte, dass nun "dringend Klarheit über die Finanzen" nötig sei und forderte, eventuelle Fälle von Pfusch am Bau "sehr intensiv" zu untersuchen. Wir haben "keinen Schuss mehr frei, das ist klar".