"Vor 115 Jahren wollten sich 18 Lebensreformer aus Berlin ihr Paradies schon zu Lebzeiten schaffen. Sie kauften Land, machten es urbar und teilten es in Heimstätten auf, die an die Siedlungsgenossen in Erbpacht übergeben wurden", erklärt Dieter Eisenberger den Ursprung der Siedlung. "Die Vegetarier strebten ein großstadtfernes, ökologisches Leben an", sagt der Leiter der Eden-Ausstellung, die in der Siedlung zu besichtigen ist. Neben Einfamilienhäusern errichteten die Gründer auch Wirtschaftsgebäude. 1898 begann man mit der Herstellung von Säften, Marmeladen und Fruchtmusen, die später über die von Eden gegründeten Reformhäuser in ganz Deutschland vertrieben wurden. Die Einlagerung der Säfte in Großtanks von 1912 an war eine Edener Neuentwicklung. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde ein Neuaufbau versucht. Die politischen Verhältnisse ließen jedoch ein Anknüpfen an bewährte Konzepte nicht zu. 1972 wurde der Obstverwertungsbetrieb verstaatlicht. "Der Genossenschaft wurde somit eine wirtschaftliche Grundlage entzogen", sagt Barbara Schubert-Zeuske.

Sie ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen Obstbau-Siedlung mit ihren heute rund 1500 Einwohnern, die sich vor allem aus den Einnahmen der Erbpacht finanziert. Seit der Wende suchen die Edener nach neuen Wegen. Sie beantragten die Rückgabe des Obstverwertungsbetriebs sowie der in staatlicher Verwaltung befindlichen Häuser und Grundstücke. Arbeitsgruppen wurden ins Leben gerufen, die neue Konzepte für die Umsetzung der Eden-Idee erarbeiten sollen. In der Siedlung entstanden unter anderem ein Reformhaus, eine Bücherei, das Eden-Archiv, ein Senioren-Wohngarten und ein Kindergartengebäude in ökologischer Bauweise. Die Kita sowie andere Gebäude werden durch eine ökologische Holzhackschnitzel-Anlage beheizt. Die Obstverwertung wird in Eden jetzt durch eine private Mosterei betrieben. Edener Apfelsaft ist heute nur noch in der Kolonie erhältlich. Die Edener Heimstätten sind nach wie vor begehrt. Interessenten, die in die Siedlung ziehen wollen, müssen Wartezeiten hinnehmen. Wer sich für Ökologie, Obst- und Gartenbau interessiert, aber nicht gleich nach Eden ziehen möchte, kann an Seminaren teilnehmen.

So geht es am 8. November um Obstgehölze und am 15. November um die Baumpflege. An jedem letzten Donnerstag im Monat lädt die Koch- und Backgruppe ein. Gemeinsam werden vegetarische Rezepte ausprobiert - ganz im Sinne der Kolonie-Gründer. Inzwischen darf in der Siedlung aber auch Fleisch gegessen werden. Im nächsten Jahr erwarten die Bewohner vermehrt Besucher. Eden gehört zu den Schauplätzen der Landesgartenschau, die am 25. April in Oranienburg eröffnet wird.