Von Liesa Hellmann

„Ein Neideffekt hat in anderen Bundesländern eingesetzt. Und wir genießen das.“ Diese Worte kann Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, wohl nicht allzu oft über die Brandenburger Wirtschaftslage sagen. Beim Brandenburgischen Tourismustag am Montag in Cottbus zieht Steinbach aber eine überwiegend positive Bilanz für die Tourismusbranche.

Ein Plus von 3,4 Prozent bei den Übernachtungen und 2,8 Prozent bei den Gästeankünften wurde bis September 2018 für das gesamte Land verzeichnet. Am meisten Übernachtungen verzeichnete das Seenland Oder-Spree, gefolgt vom Spreewald, der seine Übernachtungszahlen gegenüber 2017 um sechs Prozentpunkte steigern konnte. Im Lausitzer Seenland nahmen die Übernachtungszahlen um fünf Prozent zu. „Der Tourismus ist in Brandenburg derzeit definitiv eine Erfolgsstory“, sagte Jörg Steinbach mit Blick auf die Zahlen. „Ohne ihn sehe es hier bei uns ein wenig traurig aus.“ Ebenfalls positiv entwickelten sich die Gästezahlen in Sachsen. Der Freistaat verzeichnete bis zum September 2018 ein Wachstum um 4,8 Prozent bei den Gästeankünften und 3,7 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr. Auch in Sachsen ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. So wurde 2017 ein Gesamtumsatz von 7,8 Milliarden Euro durch die Tourismusbranche erzielt.Zudem ging der Deutsche Tourismuspreis in diesem Jahr unter anderem an zwei Brandenburger Projekte. Der Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird jährlich vom Deutschen Tourismusverband an besonders innovative Projekte vergeben. Mit dem ersten Platz wurde das Digitalisierungsprojekt ContentNetzwerk Brandenburg der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH prämiert. Das ContentNetzwerk ist eine Datenbank, in die bisher über 450 Brandenburger Regionen, Orte oder Touristiker Daten zu ihren touristischen Einrichtungen oder Veranstaltungen eingegeben haben.  Diese Daten werden zum Beispiel von Touristinformationen und für die Ausflugsapp der Deutschen Bahn genutzt. Mit dem dritten Platz ausgezeichnet wurde die FlämingSchmiede, ein Projekt des Tourismusverbandes Fläming. Ausgerufen wurde ein Crowdfunding-Wettbewerb für neue, möglichst kreative touristische Angebote im Fläming. Im Vorfeld wurden Workshops zum Thema Crowdfunding für Touristiker angeboten, durch den Wettbewerb sei ein „regionales Kreativnetzwerk“ entstanden, so Daniel Sebastian Menzel, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming. Ebenfalls eine Auszeichnung aus der Branche erhielt am Montag die Tourismusregion Spreewald. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach überreichte die Auszeichnung „ServiceQualität Deutschland“ an Vertreterinnen und Vertreter von beteiligten Verbänden, Unternehmen und Orten. Der Spreewald könne sich jetzt als „erste Qualitätsregion Deutschlands“ bezeichnen , sagte Annette Ernst, Leiterin des Tourismusverbandes Spreewald. ServiceQualität Deutschland ist ein Zertifizierungssystem, das kleine und mittelständische Unternehmen zum Kundenservice berät. In der Q-Region Spreewald kommen die Orte Burg, Lübben, Lübbenau und Gemeinde Schwielochsee mit 86 Betrieben zusammen. Bis zum Jahr 2030 sollen verschiedene Maßnahmen gemeinsam umgesetzt werden, etwa die Einführung einer Spreewald-Card mit kostenfreiem Nahverkehr für Gäste.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sagte über die Entwicklungen der Tourismusbranche in Brandenburg jedoch auch: „Der hohe Standard und das Wachstum können nur gehalten werden, wenn genügend Fachkräfte in der Region sind. Das ist eine Herausforderung.“ Berufe in Gastronomie und Service seien nicht mehr so stark gefragt, wie in den vergangen Jahren. Im Strukturwandel komme dem Tourismus zwar eine tragende Rolle zu, andererseits könne der Strukturwandel nicht die alleinige Lösung für den Fachkräftemangel in der Tourismusbranche sein. „Man wird einem Bergmann nicht klar machen können, dass sein nächster Job im Tourismus ist“, sagte Steinbach. Es müssten auch Arbeitsplätze mit gleichartigem Charakter geschaffen werden.

Cottbus