Anlässlich des Sommerempfangs formulierte IHK-Präsident Ulrich Fey daher ungewöhnlich scharfe und konkrete Forderungen an die Bildungspolitiker. Grund für diese Initiative seien die sinkende Zahl der Schulabgänger und die, so Fey, "schwerwiegenden Ausbildungsdefizite" der Jugendlichen - immerhin hätten 30 Prozent aller Südbrandenburger Schüler keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss. Die Wirtschaft fordert daher konkret: Fortbildungsverpflichtungen für Lehrer als Konsequenz aus den Ergebnissen der landesweiten Vergleichsarbeiten. Schaffung von Ressourcen für die flexible Eingangsphase in Grundschulen, bei der Risikoschülern und Hochbegabten besonders geholfen wird. Ganztagskonzepte pädagogisch unterfüttern und nicht nur die Schulzeit durch Arbeitsgemeinschaften verlängern. Sprachliche Frühförderung, Erzieherausbildung und Kita-Betreuung müssen finanziell besser gefördert werden - die Folgekosten für die rund 80 000 Schulabbrecher und Sitzenbleiber liegen laut Experten bundesweit bei jährlich 3,7 Milliarden Euro. 17 Schulreformen seit der Wiedervereinigung in Brandenburg - drei im Pisa-Erfolgsland Sachsen. Laut Fey kann man daran ablesen, dass bloße Reformen wenig Erfolg bringen. Lehrer müssten gestärkt werden, damit sie als Vorbilder den Kindern Wissensdurst und Tatendrang vermitteln, und nicht Angst vor dem Leben. Der Bildungshaushalt muss so beschaffen sein, dass gerade auch besonders förderbedürftige Schüler intensiv unterstützt werden können. Förder- und Teilungsstunden zu opfern, habe wenig Sinn, wenn Risikoschüler später trotz jahrelanger Nachqualifizierung keinen Einstieg ins Berufsleben fänden.Eig. Ber./hil