Im Bundesschnitt seien etwa 35 Prozent der Korruptionsverfahren in Verwaltungen und knapp 60 Prozent in der Wirtschaft angesiedelt. Dagegen beträfen in Brandenburg rund 85 Prozent der etwa 200 reinen Korruptionsverfahren jährlich die Verwaltungen.

"Das heißt aber nicht, dass die Verwaltungen hier besonders korrupt sind", sagte der Jurist. Vielmehr liege in Brandenburg die Aufmerksamkeit stärker auf der Verwaltung als auf der meist kleinen und mittelständischen Wirtschaft. "Das ist in anderen Ländern mit Großkonzernen, die eigene entsprechende Abteilungen unterhalten, anders", bemerkte Winter.

Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg beschäftigen 15 bis 20 Prozent der rund 200 hauptamtlich verwalteten Kommunen im Land eigene Korruptionsbeauftragte. "Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil es dann schnell heißt, Brandenburg sei tief korrupt", meinte Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher.

Der Verbandschef plädiert für andere Möglichkeiten zur Bekämpfung der Korruption. So könnten die Verwaltungen etwa den kommunalen Abgeordnetengremien regelmäßig einen Bericht über die Vergabe von großen Aufträgen geben. Böttcher: "Und ein Rechnungsprüfungsamt sollte schon bei der Auftragsvergabe und nicht erst bei der Rechnungslegung eingeschaltet werden."

Zuletzt sorgte der Korruptionsskandal um den entlassenen Chef der Stadtwerke von Brandenburg/Havel für Aufsehen. Der 48-Jährige soll mehrere Jahre in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) spricht von einem Schaden in Höhe von knapp einer Million Euro. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt unter anderem wegen Untreue und Vorteilsnahme. Bereits seit Mai 2012 ist die Stadtverwaltung Guben (Spree-Neiße) ohne gewählten Bürgermeister, weil auch der frühere Rathauschef Klaus-Dieter Hübner (FDP) mit Korruptionsvorwürfen belastet ist.