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Brandenburger Polizei stoppt Schleuser-Lkw mit 51 Menschen

Die Bundespolizei untersucht den Lkw, mit dem 51 Menschen nach Deutschland eingeschleust wurden.
Die Bundespolizei untersucht den Lkw, mit dem 51 Menschen nach Deutschland eingeschleust wurden. FOTO: dpa
Frankfurt (Oder). Irakische Flüchtlingsfamilien waren auf der Ladefläche zusammengepfercht. Im Grenzgebiet zu Polen gab es zuletzt ähnliche Einschleusungen. Anna Ringle

Mitten in der Nacht kontrollieren Bundespolizisten auf der Autobahn im Grenzgebiet zu Polen einen Lastwagen, der Richtung Berlin fährt. Auf der Ladefläche bietet sich den Beamten ein "erschütterndes Bild".

Die Bundespolizei hat in Ostbrandenburg einen Lastwagen mit 51 Flüchtlingen gestoppt und damit möglicherweise eine neue Schleuserroute offengelegt - von der Türkei über Osteuropa nach Deutschland. Der Lastwagen sei in der Türkei zugelassen, und der Fahrer sei Türke, teilte die Polizei mit. Die 20 Männer, 14 Frauen sowie zehn Jungen und sieben Mädchen saßen und standen demnach auf der Ladefläche, als der 46-jährige Fahrer in der Nacht zum Samstag gegen 2.05 Uhr an der Anschlussstelle Müllrose auf der A 12 Richtung Berlin bei Frankfurt (Oder) angehalten wurde. Die Bundespolizei geht davon aus, dass die Menschen aus dem Irak kommen. Die meisten Erwachsenen seien in Rumänien, einige auch in Bulgarien, Ende August oder Anfang September als Flüchtlinge registriert worden.

Die Bundespolizei prüft nun, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob es Parallelen zu anderen Vorfällen im Grenzgebiet zu Polen gibt. Zuletzt habe es eine Häufung gegeben, "die wir vorher nicht kannten", sagte ein Sprecher. Es sei aber derzeit völlig unklar, ob es Verbindungen oder gar einen neuen Trend gebe.

Vor Tagen erst hatte die Bundespolizei im sächsischen Bad Muskau 40 eingeschleuste Iraker in Gewahrsam genommen. Einige von ihnen erklärten nach Angaben der Polizei, dass sie mit einem Lastwagen von der Türkei nach Polen gebracht worden seien. Die Schleuser hätten sich abgesetzt, und sie seien dann zu Fuß nach Deutschland gegangen. Ende August hatte die Bundespolizei bereits 20 Iraner und Iraker, darunter auch Kinder, auf einer Bundesstraße bei Heinersdorf im brandenburgischen Grenzgebiet aufgegriffen. Auch sie gaben laut Polizei an, mit einem Lastwagen eingeschleust und dann abgesetzt worden zu sein.

Unter den 51 Flüchtlingen, die auf der Ladefläche des am Wochenende gestoppten Schleuser-Lastwagens in Ostbrandenburg waren, könnte ein Komplize des Fahrers gewesen sein. Ein 26 Jahre alter Syrer habe bei der Befragung "widersprüchliche Aussagen" gemacht, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin am Sonntag und ergänzte: "Er hatte als einziger Dokumente, die anderen nicht." Der Mann sollte am Sonntagnachmittag ebenso wie der Lkw-Fahrer einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Fahrer habe bei der Vernehmung geschwiegen, hieß es.

Anhand der Aussagen der Flüchtlinge nehmen die Ermittler an, dass der Lastwagen etwa zwei Tage unterwegs war, wie der Sprecher sagte. Die Menschen hätten ihre Notdurft auf der Ladefläche verrichten müssen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Bundespolizei keine weiteren Hinweise zur Route geben, die der Fahrer genommen hatte, und wo der Lastwagen gestartet war. Am Samstag hatte es geheißen, dass es wegen der Kontrolle im brandenburgischen Grenzgebiet zu Polen naheliegend sei, dass er von dort nach Deutschland gekommen sei.

Bei der Betreuung holte sich die Bundespolizei Unterstützung bei der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und weiteren Polizisten aus Brandenburg. Die Menschen wurden in dem Zelt medizinisch untersucht und mit Essen und Trinken versorgt. Auf dem Gelände waren mehrere Krankenwagen und viele Helfer in Schutzkleidung zu sehen. Ermittler untersuchten den Lastwagen. Nach der Betreuung und Befragung wurden die Menschen in die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gebracht. Verletzte hatte es keine gegeben, ein Flüchtling zeigte aber Anzeichen von Flüssigkeitsmangel.

Gegen die Erwachsenen ermittelt die Bundespolizei wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise.

Zum Thema:
Die Bundespolizei hat vergangene Woche auf der A8 einen italienischen Staatsangehörigen festgenommen. Er wird beschuldigt, gegen Bezahlung drei Pakistaner eingeschleust zu haben. In der Grenzkontrollstelle auf der Autobahn München-Salzburg stoppten die Beamten einen in Italien zugelassenen Wagen. Im Gegensatz zum italienischen Fahrzeugführer konnten sich die Mitfahrer nicht ordnungsgemäß ausweisen. Wie sich herausstellte, waren die drei pakistanischen Staatsangehörigen im Alter von 21 bis 28 Jahren in Italien in einem Flüchtlingslager untergebracht. Dieses hätten sie eigenen Angaben zufolge jedoch auf behördliche Anordnung hin verlassen müssen. Deshalb suchten sie nach einer Möglichkeit, nach Deutschland zu gelangen, um dort Asyl beantragen zu können. Die Bundespolizisten leiteten sie im Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen an eine Aufnahmestelle für Flüchtlinge weiter. Ihr Fahrer, ein arbeitsloser 54-Jähriger, erklärte, dass er sich mit der Beförderung etwas dazu verdienen wollte. Er wurde wegen Einschleusens von Ausländern angezeigt und auf richterliche Anordnung hin in Untersuchungshaft in Bad Reichenhall genommen. (dpa/kr)