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Brandenburger nutzen lieber Bargeld als Karte

Potsdam. Schließung von Bankfilialen oder Extragebühren fürs Geldabheben - das scheint die Begeisterung für Scheine und Kleingeld nicht zu schmälern. Christian Bark

Das Bezahlen mit Bargeld hat bei den Brandenburgern nach wie vor einen hohen Stellenwert. "Bargeld bleibt weiterhin das meistgenutzte Zahlungsmittel", sagt Moritz Raasch, Sprecher der Bundesbank in Frankfurt am Main. Immer noch würden mehr als die Hälfte der Bezahlvorgänge in Ostdeutschland mit Bargeld getätigt, auch wenn die Zahl mit Blick auf die vergangenen Jahre leicht rückläufig sei. "Wir erkennen keine Anzeichen dafür, dass die Menschen in Brandenburg ihre Präferenz, mit Bargeld zu bezahlen, verändern", berichtet Wolfram Morales vom Ostdeutschen Sparkassenverband in Berlin.

Deutschland sei historisch bedingt ein Land der Bargeldzahlungen, zudem sei Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel. Letzteres gelte für Karten oder Handyzahlungen nicht. Trotzdem habe sich der Anteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in den vergangnen Jahren leicht erhöht. "2015 lag dieser noch bei 44,5 Prozent am Gesamtumsatz im stationären Einzelhandel", sagt Morales. Im vergangenen Jahr sei er auf 45,6 Prozent gestiegen. "Das Bargeld besitzt weiterhin einen hohen Stellenwert", sagt Marcel Haag, Sprecher des Genossenschaftsverbandes - Verband der Regionen, in dem auch die elf Volks- und Raiffeisenbanken in Brandenburg mit ihren 128 Filialen vertreten sind.

Er verweist auf eine Umfrage unter den Banken, bei der 71 Prozent der befragten Kreditinstitute angegeben hätten, dass Bargeld auf absehbare Zeit in Deutschland eine wesentliche Rolle spielen werde. Politischen Diskussionen, es abzuschaffen oder zu begrenzen, erteile der Verband eine klare Absage. Allerdings werden die Rahmenbedingungen für die Kunden immer schwieriger, wie Haag einräumt. Bankenregulierung und Niedrigzinsphase führten bei Banken zu gestiegenen Kosten für die Bereitstellung von Bargeld.

Ein Beispiel seien die seit 2015 geltenden Prüfpflichten für Euro-Münzen. Institute müssten Münzen auf Echtheit und Umlauffähigkeit überprüfen, bevor sie sie wieder ausgeben. "Als Konsequenz stellt sich besonders für kleinere Banken zunehmend die Frage, ob noch jede Zweigstelle das volle Dienstleistungsspektrum für Münzgeld anbieten kann", sagt der Sprecher. Durch Weiterentwicklungen wird der bargeldlose Zahlungsverkehr laut Morales immer attraktiver. Dabei verweist er auf Verfahren wie die Sparkassen-App Kwitt oder die Kontaktlos-Funktion auf Karten.

"Bezahl-Apps werden die Zukunft des Zahlungsverkehrs in Deutschland sein", sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen. Gleichzeitig würden sich immer mehr Geschäfte auf bargeldlose Zahlung einrichten und Kartenlesegeräte anschaffen. "Doch die Infrastruktur dafür ist störanfällig und kostspielig", sagt Busch-Petersen. Im Übrigen biete das Zahlen mit Bargeld eine gewisse Vertraulichkeit: auf Kontoauszügen sei es nicht nachvollziehbar. Und so spreche sich auch sein Verband gegen jegliche Begrenzung des Bargelds aus. Allein schon deshalb, weil der Großteil der Geschäfte einen Kaufwert von maximal 20 Euro kaum übersteige.

Onlinehandel, der Online-Bezahldienst Paypal und die Ausdünnung des Filialnetzes von Banken, gerade im ländlichen Raum, würden bargeldlosen Zahlungsverkehr aber begünstigen.