Die Brandenburger Linken haben sich am Wochenende noch nicht auf einen Nachfolger für den zurückgetretenen Justizminister Helmuth Markov (Linke) geeinigt. Verschiedene Parteigremien tagten. Am heutigen Montag kommt der Landesvorstand zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. "Aber ob dann schon ein Nachfolger feststeht, ist noch unklar", sagte Landesvorstandsmitglied Sebastian Walter gestern auf Anfrage.

Am Dienstag tagt wie üblich das Kabinett der rot-roten Landesregierung in Potsdam. Am Mittwoch könnte ein neuer Ressortchef bereits im Landtag vereidigt werden.

Nach Angaben aus Parteikreisen sind für das seit Freitag vakante Ministeramt drei Kandidaten im Gespräch: die Brandenburger Verfassungsrichterin Kerstin Nitsche, Justiz-Staatssekretär Ronald Pienkny und der Landtagsabgeordnete Stefan Ludwig. Nach RUNDSCHAU-Recherchen hat Nitsche die besten Chancen.

"Wir setzen auf Gründlichkeit und nicht auf Schnelligkeit", betonte Vorstandsmitglied Walter. Keinesfalls wolle man sich unter Zeitdruck setzen lassen, um möglichst vielen Parteimitgliedern Gelegenheit zur Diskussion zu geben. Die Entscheidung fälle der Landesvorstand.

Markov hatte sein Amt wegen einer Dienstwagen-Affäre aufgegeben. Er entschuldigte sich nun bei seinen Parteifreunden für das Verhalten, das zu seinem Sturz führte. Im Juni 2010 hatte er einen Kleintransporter aus dem Landesfuhrpark privat genutzt. Damit wurde sein Motorrad in eine Leipziger Werkstatt gebracht. "Mich muss damals mein politisches Bauchgefühl verlassen haben", schreibt er in einem Brief. Alle bekannt gewordenen Bewerber für das Justizressort sind Juristen. Nitsche arbeitet seit 1994 als Richterin am Amtsgericht Potsdam und ist für Strafrecht zuständig. Seit 2009 wirkt sie zudem auch als Richterin am Verfassungsgericht und ist seit 2012 dessen Vizepräsidentin. Pienkny ist seit 2012 Staatssekretär im Justizministerium. Der Jurist ist seit 2009 Mitglied der Linkspartei. Der Diplom-Jurist Stefan Ludwig sitzt seit 2009 für die Linke im Landtag. In der Fraktion ist er Sprecher für Kommunalpolitik und Finanzen.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte am Freitagabend den Rücktritt Markovs mit sofortiger Wirkung angenommen. Zuvor hatte sich der Linken-Landesvorstand noch hinter den Minister gestellt.