"Die Aussprache der polnischen Wörter ist äußerst schwierig", klagt der Handwerksmeister. Jeden Dienstag fährt der 60-Jährige aus Eberswalde nach Frankfurt (Oder) und drückt dort noch einmal die Schulbank. Zusammen mit 24 anderen Handwerkern aus Brandenburg lernt er Polnisch.
"Ich will mich vorbereiten auf die EU-Erweiterung, auf die dann neuen Marktbedingungen entlang der Oder", sagt der Betreiber einer Heizungs- und Sanitärfirma. "Riesenumsätze werden wir in Polen allein nicht tätigen können. Aber unsere Chance liegt in der Zusammenarbeit mit polnischen Firmen", glaubt er. Dahms kennt sich besonders mit modernen Wärmepumpen aus und möchte auf diesem Gebiet gern mit polnischen Heizungsbauern zusammenarbeiten.
"Was dieser Sprachkurs meiner Firma an Zuwächsen bringt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber nichts zu machen und nur der EU-Erweiterung jammernd entgegenzuwarten, bringt überhaupt nichts", ist sich der Handwerker sicher.

Kontakte zu Warschauer Büro
Die Hoffnungen von Lutz Zehmisch aus Bad Freienwalde sind konkreter. Und größer. "Wir haben bereits Kontakte zu einem Planungsbüro aus Warschau und wollen eine Zusammenarbeit aufbauen", berichtet er. Mit den richtigen Sprachkenntnissen gehe alles einfach viel besser, meint der Chef eines Planungsbüros für Haustechnik.
Erstmals bietet die Frankfurter Handwerkskammer einen Polnisch-Kurs ausschließlich für Handwerker an. "Wir wollen damit den Betrieben an der Grenze den Zugang zum polnischen Markt erleichtern", sagt Kammer-Mitarbeiterin Karla Kose. Für den Sprachlehrgang wurden 25 Handwerker ausgewählt, die bereits Kontakte zum östlichen Nachbarn haben oder eine Zusammenarbeit mit polnischen Firmen anstreben. "Unser größtes Problem war die Finanzierung", sagt Kose. Zusammen mit dem Frankfurter Business and Innovation Center konnten schließlich Fördermittel der EU aus dem Interreg-III-Programm eingetrieben werden. Für die Handwerker ist der Kurs kostenlos.
Seit Januar pauken Rohrleitungs- und Tiefbauer, Fliesenleger, Installateure, Dentisten und Verkehrstechniker die polnische Grammatik und die schwer auszusprechenden Vokabeln. Der erste Lehrgangsteil endet am 25. März. Danach verbringen die Handwerker ein Sprachwochenende in Polen. "Da werden sie beweisen, dass sie die Grundregeln der polnischen Sprache verstanden haben und auch anwenden können", verspricht Dozentin Isabela Ajdinovic.

Nur wenig Hilfsmittel
"Bis dahin muss ich noch viele Vokabeln büffeln und die Aussprache besser in den Griff bekommen", nimmt sich Frank Dahms vor. Für die einstündige Autofahrt von Eberswalde zum Schulungszentrum der Handwerkskammer nach Frankfurt (Oder) sucht er deshalb noch eine Sprachkassette. "Für andere Fremdsprachen gibt es Dutzende Computerprogramme und Hilfsmittel in Deutschland. Hilfen für die polnische Sprache aber gibt es kaum und dabei sind das unsere Nachbarn", schimpft er.