Für die Untersuchung hatte die Universität Jena 1000 Länderparlamentarier in ganz Deutschland nach ihrem Selbstverständnis befragt. In Brandenburg hatten sich 53 der 88 Abgeordneten (60,2 Prozent), in Berlin 107 der 149 Parlamentarier (71,8 Prozent) an der Untersuchung beteiligt. Nach den Länder-Ergebnissen beklagen 55 Prozent der Potsdamer Abgeordneten einen "Bedeutungsverlust des Parlamentes", in Berlin sind es etwas weniger, nämlich 49 Prozent. Bei den Linken, die in Brandenburg seit 1990 in der Opposition sind, ist die Unzufriedenheit mit 65 Prozent besonders hoch. Von den Berliner Linken, die im Senat mitregieren, klagen dagegen nur 50 Prozent über einen Bedeutungsverlust des Abgeordnetenhauses.
Auffällig ist dennoch, dass der Frust in beiden Landtagen wächst. In Brandenburg stieg er seit 2003 um vier Prozent, in Berlin um fünf Prozent. Ein Grund liegt offenbar darin, dass die Landesregierungen zu dominant sind. So wünschen sich 79 Prozent sowohl der Brandenburger als auch der Berliner Abgeordneten, dass das Parlament selbst "viel häufiger als bislang Ausgangspunkt und Initiator von Gesetzgebungsaktivitäten" sein sollte - eigentlich ureigene Aufgabe des "Souveräns". Und 55 Prozent der Brandenburger Abgeordneten halten "erweiterte Informationspflichten der Regierung" für "vordringlich." In Berlin, wo die Ausschüsse anders als in Brandenburg öffentlich tagen, tun das hingegen nur 32 Prozent.

Mehr Geld, mehr Belastung
Trotzdem würden Brandenburgs Abgeordnete ihren Job nicht tauschen. 64 Prozent haben einen "höheren Verdienst" als im Vorberuf, 49 Prozent sehen ein "höheres Ansehen", wobei für 56 Prozent auch die Arbeitsbelastung höher ist als vorher. Sie liegt laut Umfrage zwischen 42 bis 52 Stunden pro Woche. Mehr als jeder zweite Abgeordnete in Brandenburg wie in Berlin beklagt zu "wenig Zeit für Privatleben" und "für tiefgehendes Nachdenken" über Probleme. Etwa 40 Prozent, auch da gibt es kaum Unterschiede, sehen eine "unzureichende Akzeptanz in der Öffentlichkeit".
Für Brandenburg brachte die Studie ein weiteres überraschendes Ergebnis: Danach bewegen sich SPD und Linkspartei mental aufeinander zu. So nennen heute 61 Prozent der SPD-Abgeordneten "die Verringerung sozialer Ungleichheit" als wichtigstes politisches Ziel. Nur 40 Prozent taten dies 2003, ein Jahr vor der Neuauflage der Großen Koalition. In der Linkspartei, die Rot-Rot anstrebt, ist für 90 Prozent Sozialpolitik das Wichtigste. Im Gegensatz zu Rot-Rot ist für 70 Prozent der CDU-Abgeordneten Wirtschaftswachstum vordringlich, gefolgt von der Sanierung der Staatsfinanzen.

Differenzen bei Fraktionsdisziplin
Bemerkswerte berlin-brandenburgische Ausschläge gibt es bei den Einstellungen zur Fraktionsdiszplin: So würden 50 Prozent der Parlamentarier der zerstrittenen Brandenburger CDU "nicht mit der Fraktion" stimmen, wenn sie anderer Meinung sind. In der Berliner CDU liegt dieser Wert bei 14 Prozent, selbst bei den baisdemokratisch geprägten Berliner Grünen nur bei 42 Prozent, bei der SPD in Potsdam bei 25 Prozent. Übertroffen wird die Potsdamer CDU nur von der märkischen Links-Opposition, wo 81 Prozent gegen Fraktionszwang sind.
Bei der Berliner Links-Regierungsfraktion tun das dagegen nur zwölf Prozent. Allerdings sind sich Parlamentarier länder- und parteiübergreifend darüber im Klaren, dass ein solches Ausscheren nicht folgenlos bliebe. Jeder dritte Brandenburger Abgeordnete nannte es "wahrscheinlich", nach wiederholt abweichendem Stimmverhalten "bei der nächsten Landtagswahl nicht wieder aufgestellt zu werden".