"Ich glaube, dass wir die Spitze erreicht haben", sagte Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) vor Journalisten in Potsdam. Bei noch höherer Nachfrage sei jedoch auch ein weiterer Ausbau des Studienangebotes denkbar. Auch laufe die Einschreibefrist für viele nicht durch einen Numerus Clausus beschränkte Studiengänge noch bis zum 15. Oktober.

Eine sehr gute Nachfrage bescheinigte Kunst auch den Studienangeboten an der fusionierten Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Hier verzeichne vor allem der Standort Cottbus Zuwächse, während die Bewerberzahlen in Senftenberg zurückgingen. Dort werden zum Wintersemester die Bachelorstudiengänge in Therapiewissenschaft und Pflegewissenschaft neu eingeführt, deren Studierende während ihres Studiums zugleich einen Berufsabschluss in Pflege oder Physiotherapie erwerben könnten. "Damit nimmt das Land Brandenburg eine Vorreiterrolle bei der Akademisierung der Gesundheitsberufe ein", sagte Kunst. Für den Aufbau dieser Studiengänge stehen der BTU pro Jahr rund 3,2 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. "Mit dem neuen Studienangebot reagiert das Land auf den wachsenden Fachkräftebedarf im Pflege- und Gesundheitsbereich", erklärte am Montag auch Sozialminister Günter Baaske (SPD). "Hier brauchen wir dringend mehr akademisch ausgebildete Beschäftigte."

Im Frühjahr 2014 soll auch das an der BTU neu eingerichtete College seine Arbeit aufnehmen: Dort sollen Studienbewerber ohne Hochschulabschluss Vorkurse belegen können, die sie auf ein Studium an der Universität vorbereiten. Ferner soll es Förderangebote für Abiturienten geben, die nach einem eher geisteswissenschaftlichen Abitur ein Studium etwa der Elektrotechnik oder der Informatik aufnehmen wollen. "Wir wollen damit für eine Studierneigung in den technischen Fächern sorgen", sagte Kunst. "Eine besser organisierte Studieneingangsphase ist zudem von wesentlicher Bedeutung dafür, dass Studienabbrüche verringert werden." Dass das Konzept des Colleges maßgeblich in Cottbus entwickelt wurde, zeigt nach Einschätzung der Ministerin zudem, dass sich auch der BTU-Standort Cottbus produktiv an der Gestaltung der fusionierten Hochschule beteilige.

An der Universität Potsdam startet zum Wintersemester dagegen der neue Studiengang in "Jüdischer Theologie". Absolventen des in Zusammenarbeit mit dem Abraham-Geiger-Kolleg, dem Zacharias-Frankel-College und dem Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien angebotenen Studiengangs können als Gemeinderabbiner oder Kantoren tätig werden. Für den neuen, deutschlandweit einmaligen Studiengang stellt das Land 563 000 Euro und zwei Professuren zur Verfügung. Allerdings hält sich das Interesse der Studierenden daran bislang noch in Grenzen. Ferner beginnt die Universität der Landeshauptstadt mit der Ausbildung von Inklusionslehrern, Zunächst stehen 60 Studienplätze zur Verfügung. Schließlich wird das Land an den Universitäten Potsdam und Frankfurt (Oder) einen Bachelor in Jura anbieten, der auch als Ergänzung zu den Staatsexamensstudiengängen belegt werden kann.

Wie Kunst am Montag betont, habe sie wenig Verständnis für Berichte über zu wenige Wohnheimplätze für Studierende. In Brandenburg gebe es insgesamt 6750 Plätze, damit könnten 13,1 Prozent aller Studierenden in Wohnheimen untergebracht werden - Spitzenreiter sei dabei Senftenberg, wo es für ein gutes Viertel aller Studierenden einen Wohnheimplatz gebe. Bundesweit liege der Durchschnitt der Wohnheimplätze nur bei gut zehn Prozent.