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| 10:36 Uhr

Bildung
Zwangsgelder lohnen bei Schulschwänzern in Brandenburg oft nicht

Brandenburgs Schulen und Schulämter setzt bei Schulschwänzern eher auf Gespräche als Sanktionen.
Brandenburgs Schulen und Schulämter setzt bei Schulschwänzern eher auf Gespräche als Sanktionen. FOTO: Jens Kalaene / dpa
Potsdam . Sie haben Angst vor Mobbing, sind überfordert oder haben einfach keine Lust - auch in Brandenburg gibt es immer wieder Schüler, die den Unterricht schwänzen. Sanktionen sind für die Behörden aber eher die Ausnahme, wichtiger ist das Gespräch.

Brandenburgs Schulen und Schulämter reagieren bei Jugendlichen, die unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben, selten mit Sanktionen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Wir können gegenüber den Eltern zwar ein Zwangsgeld androhen, der nachfolgende Prozess ist aber sehr aufwendig», erklärt Hardy Schalitz vom staatlichen Schulamt in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Zunächst setzten die Schulen und Schulräte auf das Gespräch mit Schülern und Eltern, bevor weitere Maßnahmen folgen würden.

«Die Zwangsgelder treffen in der Regel die Elternhäuser, die ohnehin nicht viel Einkommen haben», sagt der Schulamtsmitarbeiter. Als auffällig gelten Jugendliche laut Landesschulgesetz, wenn sie innerhalb von zwei Monaten sechs oder innerhalb eines halben Jahres mehr als zehn Fehlzeiten aufweisen würden. Führten Gespräche zu keinem Ergebnis, könne die Androhung eines Zwangsgeldes folgen. Die würde aber schon bei einigen Eltern ein Umdenken bewirken.

Manchmal hätten die Eltern jedoch gar keinen Einfluss mehr darauf, dass ihre Kinder regelmäßig zur Schule kommen. «Ich hatte schon Eltern, die heulend vor mir saßen, weil sie von ihren Kindern Prügel angedroht bekommen haben», berichtet Schalitz aus seiner über 20 Jahre langen Tätigkeit als Schulrat. In solchen Fällen würden die Schulen und Behörden eng mit den Jugendämtern der Landkreise und kreisfreien Städte zusammenarbeiten.

Das bestätigt eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Die Schulhilfekonferenz, durch die bei Problemen zeitig alle Beteiligten von der Schule eingeladen würden, sei eine Form dieser Kooperation. Im Landkreis kommen die Schulverweigerer laut Jugendamt zumeist aus den Klassenstufen acht bis zehn und würden in alternativen Unterrichtsformen beschult.

Förder- und Oberschulen bilden oft den Schwerpunkt in Sachen Schulverweigerung, wie Frank Quella vom staatlichen Schulamt Brandenburg/Havel berichtet, das auch für Potsdam-Mittelmark zuständig ist. Genaue Zahlen dazu würden jedoch nicht erhoben. Auch landesweit existieren diesbezüglich keine Erhebungen, wie es aus dem Potsdamer Bildungsministerium heißt. «Das wäre auch ein sehr hoher Aufwand», erklärte Schalitz. Wichtiger sei es hingegen, die Schüler zielgerichtet für den Unterricht zu begeistern.

«Es gibt im Land aber mittlerweile zahlreiche Schulverweigererprojekte», schildert Quella. Diese seien ein guter Ansatz, dem Problem zu begegnen. «Es ist auch immer eine Frage, wie die Schule selbst strukturiert ist», sagt Schalitz. Würde sie über genug Schulsozialarbeiter und Ganztagsangebote verfügen, könnten Probleme gut intern ohne das Amt geregelt werden. In Grundschulen beobachtet der Schulamtsmitarbeiter bislang weniger den Trend zum Schulschwänzen. «Da reicht noch der Muttizettel als Fingerzeig», wie Schalitz meint. Trotzdem müsse auch dort bereits angesetzt werden, die Folgen von Unterrichtsverweigerung aufzuzeigen.

Bei den weiterführenden Schulen sei eine enge Verzahnung mit Betrieben in Form von Praktika oft ein Garant dafür, dass sich Schüler anstrengen würden, um einen bestimmten Beruf erlangen zu können. In vielen Fällen geht die Schulverweigerung nach Schilderung von Quella aber nicht auf Unlust zurück, sondern vielmehr auf Angst vor Leistungsdruck oder Mobbing - auch an Gymnasien. «Darüber muss dann frühzeitig gesprochen werden», so der Schulamtsmitarbeiter.

(Christian Bark (dpa))