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| 18:27 Uhr

Landwirtschaft
Zu viel Antibiotika in der Tierhaltung

Noch immer ein Problem: Bei der Puten- und Hühnerhaltung steigt der Einsatz von Antibiotika wieder an.
Noch immer ein Problem: Bei der Puten- und Hühnerhaltung steigt der Einsatz von Antibiotika wieder an. FOTO: Nigel Treblin
Potsdam. Brandenburger Verbraucherschutzministerium kritisiert zunehmende Verwendung vor allem bei Mastgeflügel.

Mastgeflügel in Brandenburg wird weiter überdurchschnittlich stark mit Antibiotika behandelt. Das geht aus einem Bericht hervor, den Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Die Linke) am Mittwoch im Verbraucherschutzausschuss des Brandenburger Landtags vorstellte.

Demnach ist der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung in Brandenburg insgesamt zurückgegangen, wenn auch nicht so stark wie in den Jahren zuvor. „Es ist aber nicht überraschend, dass am Anfang der große Erfolg erzielt werden kann, und dann kleinere Brötchen gebacken werden“, sagte Ludwig. Es sei aber wichtig, an dem Thema dranzubleiben und den Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren.

Wie die Referatsleiterin des Verbraucherschutzministeriums, Claudia Possardt, in der Sitzung berichtete, werde der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung bei Masttieren, also Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten vom Ministerium seit vier Jahren erfasst. Betriebe, die mehr als 25 Prozent mehr Antibiotika als der Durchschnitt anwenden, würden aufgefordert, mit ihrem behandelnden Tierarzt einen Maßnahmenplan zur weiteren Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zu erarbeiten.

Possardt betonte, dass die notwendige arzneiliche Versorgung der Tiere dabei stets gewährleistet sein müsse. „Im Mastferkel und Mastschweinebereich sind wir auf einem sehr guten Weg, da hat sich viel getan“, sagte Possardt. Brandenburg sei bei diesen Tieren 2014 deutlich über dem Durchschnitt beim Antibiotikaeinsatz gewesen. Mittlerweile gingen die Werte deutlich zurück. „Bei Mastrind und Mastkalb haben wir so gut wie keine Probleme.“

Das Sorgenkind des Ministeriums seien aber die Mastputen und Masthühner. „Hier haben wir in der Branche ein Problem und auch in Brandenburg ein Problem“, sagte Possardt. Man habe zwar in den ersten Jahren seit 2014 einen Rückgang des Antibiotikaeinsatzes erlebt, aber das nicht dauerhaft geschafft. Vielmehr steige der Einsatz von Antibiotika in diesen Bereichen wieder an.

„Es gibt zwar einen Rückgang, aber wir haben nach wie vor viel zu viel Antibiotika-Einsatz“, sagte der Grünen-Abgeordnete Michael Jungclaus im Ausschuss. Dies könne auch an den Haltungsbedingungen liegen. Nötig sei in erster Linie eine Abkehr von der bestehenden Haltungsform. „Ohne Antibiotika wäre die Tiermast in Riesenställen gar nicht möglich.“ Auch Ludwig bestätigte, dass es einen Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und Haltungsbedingungen gibt. „Aber ganz ohne Antibiotika geht es nicht“, sagte Ludwig. „Auch der Ökohof setzt Antibiotika ein, wenn die Tiere erkranken.“

Am Mittwoch hatte auch das Dessauer Umweltbundesamt einen Bericht zum Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft vorgestellt. Darin empfahl die Behörde den Mitgliedsstaaten der EU, den Risiken, die von Antibiotika und Antibiotikaresistenzen (AMR) in der Umwelt ausgehen, besser zu begegnen. So sollte der Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin auf das medizinisch notwendige Maß beschränkt werden. Zudem sollten Antibiotikarückstände in Ackerflächen überwacht werden und die Düngung mit unbehandeltem Klärschlamm verboten werden.