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| 18:41 Uhr

Mehr gemeinsame Streifen an polnischer Grenze geplant
Zoll besorgt wegen Sprengstoffschmuggels

Der Zoll schlägt Alarm: Für Anschläge in Deutschland wird oft illegale Pyrotechnik aus Polen genutzt.
Der Zoll schlägt Alarm: Für Anschläge in Deutschland wird oft illegale Pyrotechnik aus Polen genutzt. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Frankfurt (Oder). Pyrotechnik aus Polen wird für Anschläge genutzt. Mehr gemeinsame Streifen im Grenzgebiet vereinbart. Von Dietrich Schröder

Brandenburgs Zöllner stellen immer mehr Pyrotechnik fest, die aus Polen nach Deutschland geschmuggelt wird, um hier Anschläge etwa auf Fahrkartenautomaten zu verüben. Zur Abwehr will man auf mehr gemeinsame Kontrollen mit polnischen Kollegen setzten.

„Der Zigaretten-Schmuggel über Oder und Neiße bewegt sich auf anhaltend hohem Niveau. Drogen wie etwa Crystal Meth werden von Tschechien mittlerweile auch über Polen illegal nach Deutschland eingeführt. Und die Einfuhr verbotener Pyrotechnik mit erheblicher Sprengkraft steigt schon in fast beängstigender Größenordnung.“ Es sind zum Teil alarmierende Einschätzungen, die der Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), Sven Brenner, gibt.

Schon 2017 hatten Mitarbeiter des Amtes, das für Ostbrandenburg und die Lausitz zuständig ist, mehr als 18 Tonnen Pyrotechnik sichergestellt, die gegen die deutschen Vorschriften verstoßen. Das Hauptproblem seien nicht kleinere Knaller, die man im Nachbarland das ganze Jahr über kaufen kann, sondern die Tatsache, dass der in Böllern enthaltene Sprengstoff gezielt für Detonationen in Deutschland gekauft werde.

„Einige der Randalierer beim G-20-Gipfel in Hamburg hatten sich Sprengstoff aus Polen besorgt“, so Brenner. Auch bei Anschlägen auf Bahn-Automaten und andere Zerstörungen führe die Spur des Sprengstoffs ins Nachbarland. Selbst die DHL-Erpresser sollen Schwarzpulver aus polnischen Feuerwerkskörpern verwendet haben.

Erst am Sonntag wurden in Bad Muskau (Landkreis Görlitz) bei einem 20-jährigen Deutschen aus Hildesheim (Niedersachsen) 52 Feuerwerkskörper der Kategorie F3 gefunden, für die man hierzulande eine Erlaubnis braucht. Zudem hatte er einen verbotenen Elektroschocker, ein Springmesser sowie eine Schreckschusspistole aus Polen dabei. Gegen ihn wurde Anzeige erstattet.

Um konsequenter gegen diese und andere Schmuggelformen vorzugehen, soll es künftig wieder mehr gemischte Streifen und Kontrollen von deutschen und polnischen Zöllnern geben. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnete Sven Brenner am Montag mit dem Leiter des Finanz- und Zollamts in Gorzów, Sylwester Skórski. Zwar gibt es solche Streifen bereits seit 2010. Allerdings verfügt Polens Zoll seit Kurzem über mehr Zuständigkeiten als früher, da die aktuelle polnische Regierung einen entschiedeneren Kampf gegen den Umsatzsteuer-Betrug führen will.

„Diese Kooperation hilft uns gegenseitig, weil wir uns auch über aktuelle Tricks der Schmuggler informieren“, verrät der Leiter des Sachgebiets Kontrollen des Hauptzollamtes, Siegmund Poloczek. Aktuell würden etwa größere Mengen illegaler Zigaretten in Kleintransportern versteckt, die wiederum von Lkw transportiert werden. „Es freut mich, dass wir gemeinsam mit der polnischen Finanzverwaltung ein Zeichen für mehr Europa setzen“, sagte Sven Brenner zu der Vereinbarung.