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| 01:26 Uhr

Zeuge widerspricht angeklagten Polizisten

In diesem Wagen starb der Autodieb. Foto: ddp
In diesem Wagen starb der Autodieb. Foto: ddp FOTO: ddp
Neuruppin/Berlin. Im Prozess um die tödlichen Schüsse eines Berliner Polizisten auf einen Autodieb in Schönfließ hat erneut ein Zeuge die Glaubwürdigkeit der Angeklagten infrage gestellt. Ein 40-jähriger Mann aus der Nachbarschaft des Tatorts sagte am Dienstag über den Silvesterabend 2008, er habe die Schüsse sofort als solche erkannt. dpa/mis

Das Pikante daran: Der Nachbar ist ebenfalls Polizist und berief sich auf seine Erfahrung aus zahlreichen Dienstjahren. Die beiden indirekt am Einsatz beteiligten Polizisten hatten hingegen ausgesagt, sie hätten die Schüsse ihres Kollegen für Silvesterböller gehalten und nichts bemerkt.

Diese beiden Polizisten sind wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt. Sie sollen ihren Kollegen, der den 26-jährigen gesuchten Kleinkriminellen erschoss und wegen Totschlags angeklagt ist, mit falschen Aussagen geschützt haben. Der zweite Polizist hatte gesagt, er kenne Pistolenschüsse nur durch Kopfhörer vom Schießstand her. Der dritte Polizist saß im Auto und sah und hörte nach eigenen Angaben ebenfalls nichts.

Laut Anklage versuchten die drei Polizisten, den gesuchten Kriminellen vor dem Haus seiner Freundin festzunehmen. Der Hauptangeklagte rüttelte laut Staatsanwaltschaft an der Tür des gestohlenen Jaguars. Dann schoss er durch die Seitenscheibe. Die Kugel blieb in der Lunge des Fahrers stecken. Trotz der schweren Verletzung startete der unter Kokain stehende Mann den Motor, fuhr vor, setzte wieder zurück und rammte parkende Autos. Der Polizist feuerte noch sieben Mal und traf mehrfach das Auto. Der Angeschossene, der ein Messer und Tränengas bei sich hatte, verblutete am Steuer.

Ein Verteidiger des Polizisten las am ersten Verhandlungstag Anfang Mai eine Erklärung vor, in der der Angeklagte argumentierte, es habe “eine gewaltige Gefahr für Leib und Leben für meine Kollegen und mich„ bestanden. Der Autodieb habe versucht, ihn zu überfahren.