ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:07 Uhr

Woidke gegen festes Datum für Braunkohle-Ausstieg

Tagebau Reichwalde macht mehr Staub.
Tagebau Reichwalde macht mehr Staub. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Potsdam. Wie lange wird in der Lausitz noch Braunkohle abgebaggert und zur Stromerzeugung verfeuert? Klare Zeitrahmen gibt es nicht - und auch Brandenburgs Regierungschef lehnt eine Debatte darüber ab. Rochus Görgen

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich gegen ein festes Datum für den Ausstieg Deutschlands aus der Braunkohle ausgesprochen. Die erneuerbaren Energien seien bislang nicht in der Lage, einen zuverlässigen Ersatz zu bieten. In der Förderpolitik müsse es deshalb ein Umdenken geben, sagte Woidke in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam.

Frage: Bei der Debatte um die Klimaschutzpläne der Bundesregierung wurde ein klarer Weg in den Braunkohle-Ausstieg abgewendet. Aber wäre es nicht für die Region Lausitz besser, dass sie einen konkreten Zeitplan hätte?

Antwort: Die Braunkohle wird solange gebraucht, bis die erneuerbaren Energien wirklich zuverlässig sind. Dazu gehört insbesondere die Speichertechnologie, die es in der notwendigen Form noch nicht gibt. Schauen sie doch jetzt aus dem Fenster: Es weht kein Wind, die Sonne scheint auch nicht so richtig, bleibt nur noch etwas Biogas. Das bedeutet, die Lampen hier im Büro leuchten mit Braunkohlestrom.

Es müssen Anstrengungen unternommen werden, um die Erneuerbaren Energien zu zuverlässigen, planbaren zu machen. Das ist nach wie vor ein sehr, sehr langer Weg. Dann wird es Schritt für Schritt möglich sein, die fossilen Energieträger aus dem Netz zu nehmen.

Frage: Es wird über die Jahre 2030 oder 2050 diskutiert. Ist das realistisch?

Antwort: Jetzt darüber zu diskutieren, wir müssten in 10, 20 oder 40 Jahren die Braunkohle abschalten, würde nur dazu führen, dass wir in Deutschland Arbeitsplätze verlieren und Wertschöpfung ins Ausland abfließt. Denn dann würde Kohlestrom aus Polen oder Tschechien oder Atomstrom aus Belgien oder Frankreich importiert. Das sollten wir nicht zulassen. Nach dem Atomausstieg den letzten verlässlichen und bezahlbaren Energieträger aus dem Netz zu nehmen, wäre grob fahrlässig.

Frage: Aber die Braunkohleregion Lausitz weiß dann nicht, wie lange es weitergeht.

Antwort: Die Lausitz wird wissen, wie es weitergeht. Der Betreiber LEAG wird Mitte kommenden Jahres den Investitionsplan für die nächsten Jahre vorstellen. Für uns ist das immens wichtig, 8000 Arbeitsplätze hängen direkt und weitere zigtausende Arbeitsplätze indirekt von der Braunkohle ab. Wir sind schon lange auf dem Weg, damit zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Aber nicht gegen bestehende Arbeitsplätze, sondern mit den Arbeitsplätzen.

Frage: Was müsste getan werden, um den CO2-Ausstoß möglichst schnell zu verringern?

Antwort: Brandenburg ist bundesweit führend bei den Regenerativen. Darauf können wir stolz sein. Jetzt geht es um die Frage nach einer zuverlässigen Stromversorgung rund um die Uhr mit einem möglichst hohen Anteil an Erneuerbarer Energie. Wir brauchen Speichertechnologie und nicht unbedingt zig weitere Windkraftanlagen. Die Fehlanreize müssen weg, wir brauchen regionale Konzepte für eine möglichst CO2-arme, möglichst preisgünstige und möglichst zuverlässige Versorgung. Ohne Braunkohle ist das heute leider noch nicht zu machen.

Zur Person:
Der 55-jährige Agrar-Ingenieur Dietmar Woidke (SPD) aus Forst (Spree-Neiße) ist seit 1994 Landtagsabgeordneter. Von 2004 bis 2009 war er Umwelt- und Agrarminister in Brandenburg, von 2010 bis 2013 Innenminister. Dann übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten von Matthias Platzeck (SPD), der aus Gesundheitsgründen zurücktrat.