| 18:45 Uhr

Tierhalter geschockt
Wölfe überwinden E-Zaun und reißen zwei Bergschafe

Tierhalter Frank Feimann begutachtet das vom Wolf gerissene Schaf.
Tierhalter Frank Feimann begutachtet das vom Wolf gerissene Schaf. FOTO: Landesjagdverband
Potsdam. In Brandenburg ist erneut ein privater Schafhalter Opfer eines Wolfsübergriffs geworden. Wie die RUNDSCHAU erfuhr, rissen Wölfe in der Nacht zum Dienstag insgesamt zwei seltene Tiroler Bergschafe in einem Gehege des Forstguts Johannismühle bei Baruth (Teltow-Fläming). Zwei weitere Schafe wurden schwer verletzt. Von Benjamin Lassiwe

Tierhalter Frank Feimann äußerte sich entsetzt. „Wir haben uns extra auf den Erhalt gefährdeter Nutztierrassen konzentriert“, sagte Feimann. „Das ist in Brandenburg wohl künftig nicht mehr möglich.“ Die Tiere hätten hinter einem 90 Zentimeter hohen Weidezaun mit vier stromführenden Litzen gestanden und seien trotzdem von Wölfen gerissen worden. „Wir haben Angst, dass wir unsere Tierhaltung an den Wolf verlieren“, sagt Feimannn, der auch Mitglied des Landesjagdverbands ist.

FOTO: Landesjagdverband

Dessen Präsident, Dirk-Henner Wellershoff, sprach gegenüber der RUNDSCHAU von „dramatischen Erlebnissen.“ „Die Menschen sind geschockt, wenn sie angefressene, traumatisierte Schafe auf dem Acker sehen.“ In der vergangenen Woche habe der Verband Videos vom wenige Hundert Meter vom Forstgut entfernten Wildpark Johannismühle erhalten, die zeigen, wie drei Jungwölfe um den Wildpark herumstreunten. In der Nähe, bei Schöbendorf, sei ein weiterer Wolf am helllichten Tag hinter einem Trecker hergelaufen.

„Ich finde dieses Verhalten merkwürdig“, sagte Wellershoff. „Die Angriffe auf die Schafe fanden nur 500 Meter vom nächsten Ort entfernt statt.“ Der Landesjagdverband fordere daher, dass im aktuellen Fall die Wolfsverordnung schnell und konsequent umgesetzt werde. Sie sieht vor, dass Wölfe mit auffälligem Verhalten vergrämt werden sollen.