ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:09 Uhr

Cottbus
Wirtschaftsraum Lausitz ist nicht nur Kohle

Cottbus. Strukturwandel in der Region: Wie ist die Wirtschaft dort aufgestellt?

Lausitz? Da gibt es Braunkohle. Die Region und der fossile Energieträger haben eine lange gemeinsame Geschichte. Wegen der Klimaschutzziele wird die Bedeutung der Kohle in Deutschland aber immer geringer. Eine vom Bund eingesetzte Kommission soll bis zum Jahresende ein Enddatum für die Verstromung der Braunkohle nennen. Viele zerbrechen sich den Kopf, wie der Strukturwandel in der Lausitz gelingen kann. Einige Eckdaten zum Wirtschaftsraum.

Die Braunkohle und der Strukturbruch: Zu DDR-Zeiten wurde klar auf den fossilen Energieträger gesetzt. Zur Wendezeit im Jahr 1989 gab es im Lausitzer Revier fast 80 000 Beschäftigte, wie aus Daten des Vereins Statistik der Kohlenwirtschaft hervorgeht. Im mitteldeutschen Revier waren es demnach nochmal fast 60 000. Nach der Wende wurden in den Kohleregionen binnen kurzer Zeit zahlreiche Gruben dichtgemacht, die Masse der Jobs fiel weg. Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Beschäftigten allein im Lausitzer Braunkohlerevier auf unter 10 000. Einen solchen Strukturbruch gab es auch in anderen Branchen, zum Beispiel im Textilbereich. 

Die Unternehmen – viele kleine, wenige große: Die Lausitz ist nicht nur Braunkohle. Andere Schwerpunkte sind Metall, Chemie, Logistik, Landwirtschaft mit Ernährung sowie Tourismus, wie der Experte Stefan Zundel von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) aufzählt. Teilweise gebe es noch Restbestände früherer DDR-Kombinate. Der Anteil des produzierenden Gewerbes liege im Vergleich zu anderen ländlichen Gebieten in Brandenburg in der Lausitz höher. Anders in Sachsen: Hier seien die Kreise Bautzen und Görlitz nicht stärker als die übrigen Randregionen Sachsens.

Die Initiative Innovationsregion Lausitz GmbH (IRL) beschreibt die Firmenstruktur in der Lausitz so: Viele kleine Firmen und einige Standorte großer Unternehmen, die ihre Zentralen aber nicht in der Lausitz haben – zum Beispiel BASF. „Uns fehlen starke Mittelständler“, stellt IRL-Geschäftsführer Hans Rüdiger Lange fest. Gesellschafter der Initiative sind unter anderem Wirtschaftskammern, Unternehmensverbände und die Cottbuser Universität.

Braunkohle – stark in der Lausitzer Wirtschaft, aber nicht überall: An den Standorten des Tagebau- und Braunkohle-Kraftwerkbetreibers Leag sind rund 8000 Mitarbeiter tätig, zum Teil standortübergreifend. Nach Unternehmensangaben sind mehr als 70 Prozent der Beschäftigten Facharbeiter; dazu kommen unter anderem 20 Prozent Akademiker. Die Leag arbeitete 2017 mit mehr als 3000 Firmen zusammen, vor allem aus Brandenburg und Sachsen. Das Auftragsvolumen lag dem Unternehmen zufolge bei etwa 900 Millionen Euro.

Aber nicht überall in der Lausitz spielt die Braunkohle in der Wertschöpfung die gleiche Rolle, wie Zundel erläutert. Im Raum Spremberg etwa, wo in der Nähe ein Tagebau und ein Kraftwerk liegen, mache die Braunkohle den Löwenanteil aus. Im Raum Görlitz dagegen spiele der Energieträger eine untergeordnetere Rolle.

Was ist mit dem Strukturwandel? IRL-Geschäftsführer Lange mahnt: „Wir müssen sicherstellen, dass wir den Aufbau von Geschäftsfeldern schneller gestalten als den Abbau. Sonst droht ein Strukturbruch.“ Er sieht etwa in den Bereichen Industrieautomatisierung, neue Mobilitätssysteme, aber auch in den Logistik-Knotenpunkten BER (Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg) und Bahnkreuz Ruhland Wachstumschancen.

Zundels Analyse lautet: „Die Vorstellung, dass die wegfallenden Industriearbeitsplätze in der Lausitz eins zu eins durch andere ersetzt werden können ist wegen des demografischen Wandels in der Region unrealistisch und auch nicht nötig.“

Es sei wichtig, dass die Zuliefer-Betriebe in der Braunkohlenindustrie versuchen, sich Märkte außerhalb der Lausitz zu erschließen. Parallel dazu müssten in der Region neue Wirtschaftskerne aufgebaut werden. Zundel sieht auch den Tourismus im Lausitzer Seenland im Kommen.

Das brandenburgische Wirtschaftsministerium in Potsdam  betont, dass die Lausitz eine Region mit langer Industrietradition und hoher Akzeptanz für industrielle Wertschöpfung sei. Sie verfüge über eine große Zahl an Industrie- und Gewerbeflächen. Wahrscheinlich sei, dass die Region auch zukünftig eine energiewirtschaftliche Prägung haben wird.

(dpa)