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"Wir sind keine Initiative gegen die Domowina"

Der Physiker Dr. Hartmut Leipner ist überzeugt vom Sinn eines Sorbischen Parlamentes.
Der Physiker Dr. Hartmut Leipner ist überzeugt vom Sinn eines Sorbischen Parlamentes. FOTO: lrw
Cottbus. Hartmut Leipner ist kein Sorbe, aber mit einer Wendin verheiratet. Sie wohnen in Cottbus, die Kinder sind mittlerweile aus dem Haus. Christian Taubert

Obwohl der Physiker an der Universität Halle-Wittenberg viel um die Ohren hat, gehört er seit Jahren zu den Initiatoren zur Wiederbelebung des Wendischen Gottesdienstes in der Niederlausitz.

Und Leipner ist überzeugt, dass die slawische Minderheit in der Lausitz demokratisch besser vertreten werden muss. "Dem Sorbischen Haus fehlt ein Dach. Und das könnte das Sorbische Parlament sein", erklärt der 58-Jährige.

Wenn die Domowina, der Bund Lausitzer Sorben, heute in Hoyerswerda auf ihrer 18. Hauptversammlung die neue Führungsspitze wählt, will Hartmut Leipner in fünf Minuten Redezeit für den Serbski Sjem werben. "Wir sind keine Initiative gegen die Domowina, auch nicht gegen die Sorbenräte in den Landtagen von Brandenburg und Sachsen", stellt Leipner klar. Als zurzeit alleiniger Sprecher des Ältestenrates der Sorben/Wenden legt er aber den Finger in die Wunde: "Bis heute können wir Sorben und Wenden unsere Angelegenheiten nicht selbst regeln."

Das aber könne nur ein von allen Sorben/Wenden demokratisch gewähltes Gremium, ein Serbski Sjem. "Das soll keine neue Funktionärskaste werden, sondern ein von allen Gruppen und Vereinen getragenes Forum, in dem Lösungen diskutiert und Entscheidungen getroffen werden", sagt Leipner und verdeutlicht, dass die heutigen Sorben-Gremien lediglich beratenden Charakter hätten. "Wir wollen aber selbst über den Einsatz der Mittel der Stiftung für das sorbische Volk entscheiden und ihn kontrollieren."

Hartmut Leipner war Anfang März in Schleife in den sorbisch-wendischen Ältestenrat (Rada Starostow) gewählt worden, der aus 14 anerkannten Persönlichkeiten besteht und den Weg zum Parlament begleiten soll.

Seitdem sich die Initiative gegründet hat, sind sechs Jahre vergangen. Und es werde auch weiter Zeit benötigt, ehe ein Gesetzgebungsprozess in den Landtagen in Potsdam und Dresden in Gang komme. "Deshalb wollen wir ein Vorparlament bilden, das mit Bund und Ländern in Verbindung treten soll", so Leipner.

Aus seiner Sicht können alle nur gewinnen - auch die deutsche Seite, "wenn es letztlich einen demokratisch legitimierten Ansprechpartner bei den Sorben/Wenden gibt".