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| 16:49 Uhr

Schon Atmen ist ansteckend
Windpocken an Schule in Kleinmachnow: Ohne Impfpasskontrolle kommt keiner rein

FOTO: LR / lsc
Kleinmachnow. Nach einem Windpocken-Fall an einer Waldorfschule in Kleinmachnow hat das Gesundheitsamt am Eingang Impfausweise kontrolliert. Rein durfte nur, wer einen entsprechenden Schutz gegen die hochansteckende Krankheit hat.

Nach einem Windpocken-Fall an einer Waldorfschule in Kleinmachnow hat das Brandenburger Gesundheitsministerium das Vorgehen des zuständigen Gesundheitsamtes verteidigt. Sprecherin Gerlinde Krahnert erklärte am Freitag: „Die Maßnahmen sind keine Schikane. Sie dienen dem Schutz der Schüler und Lehrer.“ Fälle wie der an der Schule kämen nicht oft auf. „Wenn es auftritt, müssen wir etwas unternehmen“, sagte Krahnert. Das sei deutschlandweit durch das Bundesgesetz geregelt.

Dem Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark zufolge war am Montag gemeldet worden, dass eine Schülerin an Windpocken erkrankt war. Am Donnerstag hatte das Gesundheitsamt darauf hin vor Beginn des Unterrichts bei rund 240 Kindern die Impfbücher kontrolliert. 66 Schüler konnten keinen vollständigen Impfschutz nachweisen. Daher habe das Gesundheitsamt angeordnet, dass sie die Schule bis zum 30. März nicht besuchen dürfen.

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden 2019 aus Brandenburg bislang rund 100 Windpocken-Fälle übermittelt. Den Gesundheitsämtern empfiehlt die Einrichtung: Kinder und Erwachsene, die nicht geimpft sind und die Krankheit nicht gehabt haben, sollen 16 Tage lang aus Gemeinschaftseinrichtungen ausgeschlossen werden. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission den Angaben zufolge zudem eine Impfung. Seit 2009 wird diese in zwei Dosen geimpft.

Laut den neuesten Zahlen des RKI hatten 2016 rund 93 Prozent der untersuchten Kinder die erste und etwa 90 Prozent die zweite Impfung erhalten.

Eine Windpockeninfektion, ausgelöst durch Varicella-Zoster-Viren, ist extrem ansteckend und wird durch kleinste Tröpfchen übertragen. Schon das Ausatmen eines Infizierten kann dafür ausreichen. Laut Robert-Koch-Institut erkranken im Umfeld von Infizierten in der Regel 90 Prozent der sogenannten „empfänglichen Personen“, also Personen, die nicht geimpft sind und noch nie Windpocken hatten. Typische Symptome bei Windpocken sind Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und gelegentlich Fieber. Dann tritt der typische Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten, juckenden Bläschen auf.

Eine der häufigsten Komplikationen ist eine Superinfektionen. Dies kann beispielsweise durch das Aufkratzen der Hautbläschen entstehen, wenn Bakterien in die offenen Wunden gelangen. Weitere mögliche Folgen einer Windpockeninfektion sind Lungenentzündungen, Bronchitis oder in sehr seltenen Fällen neurologische Komplikationen wie Entzündungen des Gehirns.

Zudem überdauern die Windpocken-Viren nach überstandener Krankheit in den Nervenzellen des Körpers.

Jahre später kann es zu einem Wiederaufflammen der Infektion und einer Gürtelrose kommen. Dabei ensteht ein bläschenförmiger Ausschlag, meist am Oberkörper, der sich gürtelähnlich oder bandförmig ausbreitet. Gürtelrose kann von starken Schmerzen begleitet sein, die monatelang anhalten können.

Bei Schwangeren, die sich in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten mit Windpocken infizieren, besteht das Risiko von Fehlbildungen des Babys oder einer Fehlgeburt.

(dpa/lsc)