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| 15:15 Uhr

Potsdam
Wie schnell kommt der Notarzt?

Potsdam. Als Grundproblem sehen die Rettungssanitäter die vielen Einsätze, die keine Notfälle sind.

Im brandenburgischen Rettungswesen gibt es einen Widerspruch: Per Gesetz müssen die Notärzte in 95 Prozent aller Fälle spätestens 15 Minuten nach dem Eingang des Anrufes in der Leitstelle beim Patienten eintreffen. In der entsprechenden Verordnung wird der Einsatz erst ab dem Auslösen des Einsatzauftrages gezählt. Die Differenz zwischen beiden Varianten beträgt in der Regel zwei Minuten.

Die vier kreisfreien Städte rechnen ab Beginn des Anrufes, die Landkreise ab der Auftragserteilung. Das Innenministerium will als einheitliche Regelung die Praxis der Landkreise einführen. In einer Anhörung im Innenausschuss protestierte der Städte- und Gemeindebund für die kreisfreien Städte. Wenn man den Einsatz später beginnen lässt, sollte die Hilfsfrist auf 13 Minuten verkürzt werden, lautet der Vorschlag des kommunalen Spitzenverbandes. Unausgesprochener Hintergrund: Wenn die Frist sich verlängert, fürchten die Städte, dass die Kassen die jetzige schnelle Struktur nicht mehr finanzieren.

Auch bei den Kreisen geht es ums Geld. Wenn man schneller vor Ort sein müsste, bräuchte man mehr Rettungswachen. Für Daniel Kurth (SPD), Landrat des Barnim, ist das nicht einfach eine Investitionsfrage, sondern vor allem eine des Personals. Das sei jetzt schon kaum für die elf Wachen in seinem Kreis zu finden, geschweige denn für zusätzliche. Die Rettungswagen im Barnim sind jetzt in 93,2 Prozent der Fälle nach 15 Minuten am Einsatzort, rechnet man ab Eingang des Anrufes, läge der Prozentsatz bei 87 Prozent, so der Landrat.

Die Vertreter der Rettungsärzte pochten in der Anhörung auf die kürzere Frist. Je schneller man beim potenziellen Patienten sei, desto besser, heißt es. Lutz Thomas Dieckmann, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Prignitz, fand die Debatte müßig: Es gebe  noch genügend Luft im System, um die seit Jahren sich verschlechternden Einsatzzeiten zu verbessern.

Das Grundproblem für Notärtze und Rettungssanitäter, darin waren sich fast alle Anzuhörenden einig, sind die vielen Einsätze, die keine Notfälle sind. Laut Dieckmann leisten die niedergelassenen Ärzte nicht die Bereitschaftsdienste, zu denen sie eigentlich verpflichtet sind. Dann ruft man einfach die Nummer des Notdienstes. Der kommt dann vorgefahren, und der Betroffene steht mit der Tasche vor der Tür und will ins Krankenhaus transportiert werden.

Auch Landrat Kurth findet es ein Unding, dass einfache Krankentransporte mit dem teuersten Mittel getätigt werden. Und dann fehlen die Fahrzeuge beim nächsten Notruf, und ein Rettungsfahrzeug aus einer andere Ecke des Kreises muss einspringen – mit dem  entsprechend längeren Weg, berichtet er.

Laut Dieckmann sind die Fragen in der Notrufzentrale zu lang und zu schematisch. „Die wollen noch die Schuhgröße wissen“, sagte er. Außerdem gibt es  technische Reserven. Vom Knopfdruck in der Leitstelle bis zum Piepen beim Einsatzfahrzeug kann eine Minute vergehen. Laut Kurth lässt sich das auf null reduzieren.