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| 06:22 Uhr

Braune Sopree
Wie läuft der Kampf gegen den Ocker in der südlichen Spree?

FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Wie läuft der Kampf gegen den Ocker in der südlichen Spree? Von Christian Taubert

Im Vergleich zum Nordraum um den Spreewald waren und sind nach Angaben des LMBV-Projektgruppen-Leiters in der Region südlich der Talsperre Spremberg die Probleme weit größer. Zwar wurde im Zeitraum von 2014 bis 2017 die Grubenwasser-Reinigungsanlage Schwarze Pumpe für eine Teil­entlastung der Kleinen Spree aktiviert. Neu geplante bzw. im Bau befindliche Wasserbehandlungsanlagen in Ruhlmühle, Neustadt und Burgneudorf halten nach deren vollständiger Inbetriebnahme ebenfalls Eisen zurück. Doch in der Spreewitzer Rinne lösten sich im Grundwasser der ehemaligen Kippenböden 40 bis 400 Milligramm je Liter Eisen und fließen bis heute und noch in den nächsten 50 bis 100 Jahren in die Kleine und die Große Spree. Die hohe Fließgeschwindigkeit der Spree in Verbindung mit mittleren Durchflussmengen von 8000 bis 12 000 Litern pro Sekunde, „verhinderten zudem schnell umsetzbare Maßnahmen“.

Wenn Sven Radigk von Lösungen auf Weltniveau gesprochen hat, dann meint er unter anderem die modularen, containergestützten Wasserbehandlungsanlagen (MWBA), die in Verbindung mit Brunnenriegeln von Burgneudorf bis Spreewitz sowie an der Spree in Neustadt und im Ortsteil Döschko errichtet werden.

Mithilfe von zuvor wissenschaftlich erkundeten Standorten für die Brunnen wurde 2018 erstmalig erreicht, dass eisenhaltiges Grundwasser unterhalb des Flussbettes der Kleinen Spree abgesenkt wurde. Anschließend gelangt es über Rohrleitungen in die Grubenwasserbehandlungsanlage der Leag nach Schwarze Pumpe und wird dort gereinigt.  Hinzu kommen erste modulare Container-Anlagen am Standort Burgneudorf und Neustadt zur lokalen Reinigung des Grundwassers von der Eisenfracht.

In Spremberg kommen noch deutlich sichtbare vier bis acht Milligramm/Liter Eisenkonzentration als braune Fracht mit der Spree an. Deshalb erfolgt vor dem Eintritt in die Talsperre die sogenannte Flusskonditionierung in der 100 000 Quadratmeter großen Vorsperre Bühlow. Diese Direktbehandlung im Schutzgut Fluss ist ein weltweit einmaliges Verfahren. Hier wird das Wasser, nachdem es in Spremberg-Wilhelmsthal mit Kalk konditioniert wurde, mit einem Flockungshilfsmittel versetzt. „Und aus kleinen Eisenflocken werden große (Schnee-)Bälle, die sich auf dem Grund absetzen und regelmäßig von der LMBV beräumt werden“, erklärt Sven Radigk.

Damit bleiben rund 50 Prozent der Eisenfracht in der Vorsperre Bühlow, und etwa 40 Prozent setzen sich auf dem Grund des Speicherbeckens auf einer Fläche von gut zehn Quadratkilometern ab. Am Ablauf der Talsperre hat das Wasser für die Spree noch einen minimalen Eisengehalt von 0,5 bis zwei Milligramm je Liter.

Das Aktionsbündnis „Klare Spree“ zeigt sich wegen der Ablagerung auf dem Talsperrengrund dennoch besorgt. „Wird das nächste Hochwasser diese Eisenfracht Richtung Spreewald spülen?“, fragte der Vetschauer Umweltaktivist Wilfried Böhmer. Sven Radigks Antwort: „Nach der Sedimentierung in Verbindung mit der Akkumulation und Konsolidierung in der Hauptsperre kann das Eisenhydroxid nicht aktiviert und verfrachtet werden. Das sind die Ergebnisse immer wieder aktualisierter wissenschaftlicher Studien“.