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| 17:19 Uhr

Streit um Bahnstrecke
Mit Pendelzug zur RE 2-Lösung

Das war eine Ausnahme. Zum Brandenburger Dorffest hielt der RE 2 in Raddusch. Jetzt stellt ein neues Konzept eine Dauerlösung in Aussicht.
Das war eine Ausnahme. Zum Brandenburger Dorffest hielt der RE 2 in Raddusch. Jetzt stellt ein neues Konzept eine Dauerlösung in Aussicht. FOTO: Ch. Taubert
Kolkwitz. Wie die drei abgekoppel­ten Lausitzer Bahnhalte wieder angefahren werden können und es trotzdem schneller nach Berlin geht. Von Christian Taubert

Es waren einst fehlende vier Minuten, die in Berlin für andere Fernzüge gebraucht wurden. Die hatten damals tagsüber die drei Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz opfern müssen. Seither sind Bürgerinitiativen und die ganze Region dabei, diese Stationen wieder ganztags an den Regionalexpress (RE) 2 von Cottbus nach Berlin anzukoppeln. Die Bilanz ist ernüchternd. Denn alle Vorschläge aus der Lausitz sind bisher beim Land und der Bahn durchgefallen.

Und dennoch hat der zweite Bürgerdialog am Mittwochabend im voll besetzten Kolkwitzer Gemeindevertretersaal wieder Hoffnung aufkeimen lassen. Und das, wo ein bereits abgelehnter Vorschlag noch einmal untersucht und in ein überraschendes – weil für die ganze Lausitz nützliches – Konzept gegossen wurde. Dafür hat Bahnexperte Dieter Doege mit seinen Spezialisten von „ÖPNV intakt“ jenen Pendelzug unter die Lupe genommen, den Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) den Lausitzern angeboten hatte. Er sollte alle Halte zwischen Cottbus und Lübben bedienen, hinter dem RE 2 und aller zwei Stunden verkehren.

Durchgefallen ist dieser Pendler, weil in Kauf genommen wurde, dass die schnellen Anschlüsse nach Berlin in Lübbenau und Lübben grundsätzlich verpasst und der angestrebte Zwei-Stunden-Takt als inakzeptabel bewertet wurden. „Ein Pendelzug ohne Anschlüsse in Lübbenau und nur aller zwei Stunden – das war eine Totgeburt“, konstatiert beim Kolkwitz-Dialog auch der Geschäftsführer der Proziv-Verkehrsplanungs GmbH Ralf Günzel. Zugleich riet er dazu, den Vorschlag des Doege-Teams zu verfolgen.

Dessen überarbeitetes Pendelzug-Konzept sieht vor, den „Zubringer“ stets vor dem RE 2 auf die Schiene zu bringen und zwischen Cottbus und Lübbenau verkehren zu lassen. Der Vorteil: Die auf diesem Abschnitt „eingesammelten“ Reisenden könnten in Lübbenau in den RE 2 umsteigen, der von hier ohne Halt nach Berlin fahren soll. Zweiter Vorteil: In Lübbenau könnten die mit der RB 24 aus Richtung Senftenberg kommenden Reisenden in den Direktzug nach Berlin umsteigen. Wer dagegen die Halte zwischen Lübbenau und Berlin ansteuern möchte, dem stünde die RB 24 zur Verfügung.

Bis auf Referatsleiter Hartwig Rolf aus dem Potsdamer Verkehrsministerium waren Bürger, Politiker und Experten gleichermaßen überrascht wie angetan von der Pendelzug-Variante. Sogar Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) signalisierte Zustimmung, obwohl seine Stadt dann die Direktverbindung nach Berlin verlieren würde. „Es ist eine Win-Win-Situation, wenn die drei Haltepunkte wieder bedient und die Vetschauer trotzdem schneller nach Berlin kommen.“

Zu einem Signal nach Potsdam – „Wir wollen diesen Pendelzug mit veränderter Fahrplanlage“ –, wie es der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD) dem Dialog-Forum mit allen drei Bürgerinitiativen vorschlug, konnte sich die Kolkwitzer Runde nicht entschließen. Dafür ist mit dem Potsdamer Ministeriumsvertreter ein Runder Tisch zum neuen Konzeptvorschlag vereinbart worden. Die Landtagsabgeordnete Anke Schwarzenberg (Linke) hatte ihn angeregt und die Hoffnung im Saal genährt, den Plan auch ohne Zweigleisigkeit bis Sommer 2019 auf die Schiene zu bringen.