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| 01:06 Uhr

Wetterextreme nehmen in Brandenburg zu

Die Sahara lässt grüßen. Die Mark Brandenburg wird in den nächsten fünf Jahrzehnten sonniger, wärmer und trockener – was gravierende Folgen für das Land haben wird. Was die RUNDSCHAU bereits vorab berichtete, wurde gestern mit der offiziell vorgestellten „Studie zur klimatischen Entwicklung Brandenburgs bis zum Jahr 2055“ detailliert belegt: Erhöhung der Waldbrandgefahr um 30 Prozent, sinkende Pegelstände von Spree und Havel, häufigere Hochwässer, geringere Ernten. Von THORSTEN METZNER


Die Ursache sehen die Wissenschaftler des renommierten Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, die die Studie im Auftrag des Umweltministeriums erstellt haben, im Klimawandel infolge der Erderwärmung. Dessen Auswirkungen wurden erstmals auf das märkische Regionalklima „simuliert“.
Klimaforscher Manfred Stock, einer der Autoren der Studie, forderte deshalb eine Überprüfung des Milliardenprojektes 17, des Ausbaus der Havel, da nach den Klimaszenarien nicht sicher sei, dass die Havel im Sommer genug Wasser für die Schifffahrt führen werde. Umweltstaatssekretär Friedhelm Schmitz-Jersch betonte, die Studie werde dem Bundesverkehrsministerium zugeleitet.
Während die Niederschläge deutlich zurückgehen werden (siehe Hintergrund), wird gleichzeitig, der Tourismus mag jubeln, die Sonne im ganzen Land länger scheinen – 18 bis 36 Minuten mehr pro Tag als die bisherigen 4,2 bis 4,7 Stunden. Die Temperaturen selbst werden im Jahresdurchschnitt um 1,5 Grad ansteigen.
Besonders dramatische Folgen wird der Klimawandel auf Brandenburgs bereits seit Jahrzehnten sinkende Grundwasserstände haben, was den bereits wirkenden Trend zum „Steppenland“ (die RUNDSCHAU berichtete) verschärft. Nach den Berechnungen der Klimaforscher wird die Grundwasserbildung um rund 50 Prozent zurückgehen. Dies werde auch zu merklich sinkenden Wasserständen in Seen und Flüssen führen, was die Wasserqualität (Fischsterben) beeinträchtigt, so die Studie.
„Einige Oberläufe von Flüssen werden definitiv trocken fallen“, so Professor Eckhard Jungfer, der vor dramatischen Auswirkungen besonders für Kleingewässer warnte. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass die Spree in trockenen, heißen Sommern nicht mehr nach Norden abfließen könne – und quasi zum stehenden Gewässer werde.
Allerdings können negative Folgen, unter anderem für den Spreewald, durch Zukauf von Wasser aus Sachsen abgemildert werden, erklärte Schmitz-Jersch. Nach seinen Worten werde die geplante Flutung von Tagebau-Restlöchern in der Lausitz, durch die eine neue märkische Seenplatte entstehen soll, in den nächsten 20 Jahren geschehen – so dass das Projekt nicht durch die drohende Wasserknappheit in Brandenburg gefährdet sei.

Hintergrund
Trockene Zeiten

 Obwohl Brandenburg schon jetzt zu den trockensten Gebieten Deutschlands gehört, werden laut Studie die Niederschläge von derzeit 560 Millimeter (Liter pro Quadratmeter) pro Jahr bis 2055 auf unter 450 Millimeter sinken. Das Problem: Die stärksten Rückgänge sind in den Sommermonaten zu erwarten, so dass die Landwirtschaft mit häufigeren Dürren rechnen muss. Besonders trockene Zeiten kommen demnach auf die Uckermark, den Fläming und die Niederlausitz zu, wo nur noch 400 Millimeter pro Jahr erwartet werden.