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| 02:38 Uhr

Wer am meisten redet

Wenn die Sommerpause anfängt, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Wenn es die Halbzeit einer ganzen Legislaturperiode ist, natürlich um so mehr. iwe1

Der Brandenburger Landtag hat deswegen nun einmal nachgerechnet: Wer hat eigentlich am meisten geredet? Und welcher Ausschuss tagte eigentlich am längsten? Die Ergebnisse sind freilich oft nur wenig überraschend.

Denn wer je an einem Plenartag auf der Pressetribüne saß, weiß, dass Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) die meisten Reden hält. Das hängt damit zusammen, dass Nonnemacher einer kleinen Fraktion angehört, wo entsprechend mehr Arbeit auf die einzelnen Abgeordneten entfällt - das hängt aber auch damit zusammen, dass die Ärztin aus Falkensee mit Themen wie der Kreisgebietsreform beschäftigt ist, die besonders häufig auf der Tagesordnung standen. Was dem Landtag insgesamt aber auch gut tat: Denn wenn es im Parlament eine Abgeordnete gibt, die ihre Reden gründlich vorbereitet und den Zuhörern den Eindruck vermittelt, sich sachlich mit der Materie auseinandergesetzt zu haben - dann ist das ebenfalls Ursula Nonnemacher. Was selbst Vertreter der politischen Konkurrenz einräumen, wenn man sie beim Bier an einem Landtagsabend nach dem besten Redner fragt.

Ganz anders ist die Statistik dagegen bei anderen Abgeordneten. Stephan Hein, der aus der AfD ausgeschlossene fraktionslose Abgeordnete, hat seit Beginn der Legislaturperiode nicht einmal im Landtag geredet. Holger Rupprecht (SPD), kommt auf gerade einmal drei Reden. Doch als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses hat er einen wichtigen Job im Parlament.Überhaupt, die Ausschüsse. Besonders der Innenausschuss ist in dieser Legislaturperiode mit bislang schon 176 Stunden Sitzungszeit stark belastet - was freilich nicht nur an den Themen, sondern auch am Verhalten einzelner Abgeordneter liegt, die die Sitzungen mit überflüssigen Wortgefechten in die Länge ziehen. Ein besonders krasses Beispiel dafür findet sich auch im Sonderausschuss BER, wo Christoph Schulze (BVB/Freie Wähler) mit zahllosen Anträgen und Anfragen dafür sorgt, dass sich der Ausschuss in die Länge zieht - was ihn freilich nicht davon abhielt, sich kürzlich selbst in einer Pressemitteilung als "einen der aktivsten Abgeordneten" des Landtags zu bezeichnen . . .