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Post aus Potsdam
Wenn Satzzeichen Reißaus nehmen

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: Redaktion / LR
Wissen Sie, was ein „Lesenskundiger“ ist? Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handele sich dabei um einen Menschen, der des Lesens und Schreibens kundig ist. Und genau so meinte es vermutlich auch der fraktionslose Landtagsabgeordnete Christoph Schulze: Der als Fluglärmgegner bekannt gewordene Politiker hatte sich in einer „Kleinen Anfrage“ nach den Gesellschafterdarlehen für die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) erkundigt. Doch die Antwort fiel nicht zur Zufriedenheit des Abgeordneten aus – also stellte er eine Nachfrage. Von Benjamin Lassiwe

Die freilich war ganz offensichtlich in Rage formuliert. Denn in Schulzes Text fehlen durchgehend wichtige Satzzeichen, etwa Doppelpunkte und Kommata, und mancher Satz endet gar im Nirgendwo. Eine Kostprobe in originaler Zeichensetzung und Grammatik: „Im Hinblick auf die Frage in welchen Gremien der FBB und der Landesregierung und wann das besprochen wurde und durch wen es beschlossen wurde, ist nicht beantwortet.“ Für jeden „Lesenskundigen“ sei es klar, „dass die Frage lautet „In welchen Gremien der FBB und der Landesregierung wurde das besprochen und durch wen beschlossen.“ Schließlich erfindet der Fluglärmgegner sogar ein ganz neues Verfassungsorgan: „Es geht darum, festzustellen, wann das Kabinett der Landesregierung dieses auf der Tagesordnung hatte.“ Bislang kannte man in Brandenburg nur eine Landesregierung, die man landläufig auch als Kabinett bezeichnet. Dass es innerhalb der Landesregierung nun noch ein eigenes Kabinett geben soll, ist dagegen neu. Aber so ist es nun einmal meistens, wenn Texte in Zorn und Wut geschrieben werden: Dann nehmen  Satzbestandteile schon mal Reißaus.