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Wenn Potsdam über Tegel streitet

Engelbert Lütke-Daldrup, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, hatte gestern seine Premiere im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags.
Engelbert Lütke-Daldrup, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, hatte gestern seine Premiere im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags. FOTO: dpa
Potsdam. Zum ersten Mal war der neue Flughafengeschäftsführer Lütke-Daldrup zu Gast im Sonderausschuss BER. Doch das heimliche Thema der gestrigen Sitzung war das Berliner Volksbegehren zur Offenhaltung Tegels. Benjamin Lassiwe / iwe1

Trocken ist er, direkt und sachlich. Lange Sätze sind nicht seine Sache. Als der neue Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Engelbert Lütke-Daldrup, gestern seine Premiere im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags hatte, war die jahrelange Ausschusserfahrung des früheren Staatssekretärs spürbar.

Lütcke-Daldrup wusste, wie er die Fragen der Abgeordneten abblockte. Zum Beispiel, als ihn Axel Vogel (Grüne) nach den Auswirkungen des Volksbegehrens "Tegel offenhalten" fragte, das bis zum Montag knapp 200 000 Berliner unterzeichnet hatten. "Mir steht es nicht an, mich als Flughafengeschäftsführer zu Angelegenheiten eines Gesellschafters zu äußern", sagte der frühere Flughafenkoordinator des Berliner Senats. "Wenn man den Text des Volksbegehrens sieht, wird man sehen, welche Auswirkungen es haben wird." Der Flughafen habe aber Interesse an einem Single-Airport-Modell mit nur einem Flughafen, weil die gesamte Wirtschaftsplanung darauf aufbaue.

Dabei gab es im Brandenburger Flughafenausschuss durchaus Sympathien für den Gedanken an eine Offenhaltung Tegels. "Haben sich die Gesellschafter mal Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn wir eine Situation wie am Wochenende in Paris haben - wie dann bei einem Single-Airport die Hauptstadt aus der Luft erreichbar ist?", fragte etwa der SPD-Abgeordnete Helmuth Barthel. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende, der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD), machte deutlich, dass es zwei ablehnende Voten der Gesellschafter Berlin und Bund gebe, was einen Weiterbetrieb Tegels betreffe. "Mit den ablehnenden Voten geht nichts."

Etwas mehr als "Nichts" geht derzeit allerdings beim Baufortschritt. Ende Februar hatte der Flughafen nach Angaben Lütke-Daldrups einen Stand der Fertigstellung von 87 Prozent erreicht. Bei den berühmten Türen, die neu angesteuert werden müssen, sei man gut vorangekommen. Doch noch immer müssten 1,2 Kilometer Rohrleitungen für die Sprinkleranlagen ersetzt werden. "Sie wissen, dass es nicht mehr realistisch ist, den Flughafen noch in diesem Jahr zu eröffnen", sagte Lütke-Daldrup. "Wir arbeiten zurzeit daran, einen realistischen Terminplan zu erarbeiten, um eine Inbetriebnahmezielsetzung 2018 zu erreichen." Derzeit koste jeder Monat Bauverzögerung 13 Millionen Euro, man strebe aber an, die Kosten auf zehn Millionen Euro zu senken. Aus Sicht der Landtagsopposition fehlen darin allerdings entgangene Einnahmegewinne, sodass die tatsächlichen Kosten größer sind. Deutlich wurde aber auch, vor welchen Schwierigkeiten der Übergang vom bisherigen Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld auf Lütke-Daldrup mit sich brachte: Eine ordentliche Übergabe habe es nicht gegeben, sagte Lütke-Daldrup. Und wie man mit dem noch von Mühlenfeld vereinbarten Beratervertrag des Bauexperten Christoph Bretschneider umgehe, werde geprüft.

Zum Thema:
Beim Volksbegehren für die Offenhaltung des Berliner Flughafens Tegel sind bisher 198 000 Stimmen zusammengekommen. Das bestätigte der Berliner FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja am Montag auf Anfrage. Berichtet hatten zunächst die B.Z. und der rbb. Für einen Volksentscheid sind rund 174 000 gültige Unterschriften nötig. Czaja sagte, nun gehe es darum, den Erfolg zu sichern. Man müsse davon ausgehen, dass von den abgegebenen Stimmen zehn bis 15 Prozent ungültig seien. "Ich bin zuversichtlich, dass am Ende 174 000 gültige Stimmen zusammenkommen", sagte Czaja. Fristende war am Montag Mitternacht.