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| 18:34 Uhr

Illegale Abfallentsorgung?
Wenn Folie aus dem Waldweg ragt

Wie kann es sein, dass so viel Müll im Wald landet? Beim Waldwegebau in Schlieben wurde wohl allerlei Unrat in die Tragschicht eingebracht.
Wie kann es sein, dass so viel Müll im Wald landet? Beim Waldwegebau in Schlieben wurde wohl allerlei Unrat in die Tragschicht eingebracht. FOTO: dpa / Caroline Seidel
Potsdam. Warum dürfen beim Bau von Waldwegen eigentlich Abfälle verwendet werden?

Gutes Vorhaben, unangenehmer Anblick: In einem Wald bei Schlieben (Elbe-Elster) sind neue Waldwege angelegt worden. Doch beim Wegebau wurde auch Abfall entsorgt: Plastikfolien, Altmetallreste und Ähnliches ragen nun aus dem Boden heraus und ärgern Waldnutzer und Spaziergänger.

Die fraktionslose Landtagsabgeordnete Iris Schülzke hatte sich deswegen beim Landwirtschaftsministerium erkundigt. Wie kann es sein, dass so viel Müll im Wald landet?

Die Antwort der Landesregierung, die der RUNDSCHAU vorliegt, bleibt ausweichend. Für den Waldwegebau gebe es nur „wenig verbindliche Regeln“, erklärt das von Minister Jörg Vogelsänger (SPD) geleitete Ministerium. In den 1990er-Jahren habe eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe als technischen Standard festgelegt, dass fünf Volumenprozent Störstoffe, also eben Plastik, Metall oder Bitumen, beim Bau eines Waldweges zulässig sind. Diese Festlegung wurde danach auch vom Land Brandenburg übernommen.

Aber: „Glas, Stahlbänder, Drähte, scharfkantige Metallteile und Plastesäcke, Folien, Plastikflugteile, Teile von Dachrinnen, Plasteschläuche oder Kabel dürfen in Recyclingbaustoffen, die in Waldwegen eingebaut werden, nach Maßgabe dieser Regelungen nicht enthalten sein.“ Darüber habe die untere Abfallwirtschaftsbehörde der Landkreise als jeweils zuständige Behörde zu wachen. Im Zweifel müsse der für den Unterhalt des Waldwegs zuständige Eigentümer den ordnungsgemäßen Zustand wiederherstellen.

Schülzke indes stört vor allem eine Aussage des Ministeriums, wonach die Baufirmen nur die Oberfläche des Weges nach Fremdkörpern absuchen, während das in die Tragschicht eingebaute Material nicht mehr bewegt werde, um den Weg nicht zu zerstören. „Wenn da noch große Plastesäcke eingeschlossen sind, spült schon ein starker Regen die Oberschicht weg und die Löcher sind da“, sagt Schülzke, die sich als Hobbyjägerin selbst mit dem Wald auskennt. Aus ihrer Sicht müsse das zuständige Ministerium nun dringend nachbessern.

Unterstützung erhält Schülzke auch vom Spreewälder Grünen-Abgeordneten Benjamin Raschke. Bei den Waldwegen etwa im Elbe-Elster-Kreis seien Dinge verbaut worden, die schlicht unzulässig seien, sagte Raschke. „Es fehlt aber immer noch eine bundesweit einheitliche Regelung zu Sekundärbaustoffen und Bodenschutz.“ Eine Mantelverordnung zu diesem Thema, die entsprechende Standards regeln würde, hänge im Bundesrat fest.