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| 18:25 Uhr

Fünf Prozent Müll im Recycling-Material?
Waldwege mit Abfall gebaut

Benjamin Lassiwe Foto: Schülzke
Benjamin Lassiwe Foto: Schülzke FOTO: Benjamin Lassiwe
Potsdam. Wenn Plastikrohre, Draht und Folie aus einem Waldweg herausgucken, sollte man stutzig werden. So wie die Landtagsabgeordnete Iris Schülzke, der das in der Nähe von Schlieben (Elbe-Elster) auffiel. Von Benjamin Lassiwe

Auf dem Waldweg in der Nähe von Schlieben (Elbe-Elster) liegt Müll aus Plastik, hier ein Rohr, da eine Folie. Und auch ein Stück Metall guckt einige Meter weiter aus dem Boden. Vor Kurzem wurden mehrere Wege in der Region neu gebaut, als Feuerwehrzufahrt in die Kiefernbestände hinein. Und das Ergebnis ärgert die örtliche Landtagsabgeordnete Iris Schülzke (fraktionslos).

„Die Wege wurden mit öffentlichen Fördermitteln errichtet, und es wurde Recycling-Material verbaut“, sagt die Politikerin. „Doch gut fünf Prozent des verbauten Materials sind schlicht und einfach Müll.“

Denn eine Vorschrift erlaubt offenbar, dass sich unter dem Recycling-Material, das beim Bau von Waldwegen zum Einsatz kommt, auch fünf Prozent nicht recycelter Müll befinden darf. „Wir haben hier Bitumen, Drähte, Plastikfolie“, zählt Schülzke auf. All das wurde einfach so im Waldweg verbaut.

„Schrott aus Metall gehört aber in den Hochofen und nicht in den Waldweg“, schimpft die Abgeordnete. In Potsdam hat sie deswegen jetzt eine „Kleine Anfrage“ gestellt, um sich zu erkundigen, wieso eine solche Regelung möglich ist, und ob eine Änderung geplant ist.

Damit freilich ist Schülzke nicht alleine. „Wir sind gerade dabei, herauszufinden, warum auch in Waldwegen fünf Prozent Störstoffe erlaubt sind“, sagte der landwirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Benjamin Raschke. „Das ist eine Form der Abfallbeseitigung, da sträuben sich mir die Haare.“ Ohnehin hatte sich auch Raschke vor Kurzem – wie die RUNDSCHAU bereits berichtete – mit dem Thema Plastikmüll in der Natur befasst. Bei ihm ging es damals allerdings vor allem um Plastikfolienreste, die auf Feldern untergepflügt wurden. „Immerhin ist das Land mittlerweile im Bundesrat aktiv geworden“, sagte Raschke.

Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte in der jüngsten Landtagssitzung in Potsdam bestätigt, dass das Potsdamer Kabinett in der Länderkammer einem Antrag der Länder Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein zugestimmt hatte, die sich dafür einsetzten, dass in Kunststoff verpackte Lebensmittel nicht in dieser Form auf den Kompost oder in Gäranlagen geworfen werden dürften. Weil das in der Vergangenheit geschah, hat es zum Beispiel in Schleswig-Holstein einen Umweltskandal gegeben, bei dem große Mengen Plastikteile im Wasser der Schlei landeten.

In diesem Zusammenhang kritisierte Raschke auch den Spreewaldbauern Ricken, der auf seinem Hof tonnenweise Plastikvliese lagert. „Ein Betrieb seiner Größe muss dazu in der Lage sein, solche Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen.“ Am Dienstag hatten Raschke und Schülzke zudem einen gemeinsamen Landtagsantrag vorgestellt, der die rot-rote Landesregierung aufforderte, eine Dringlichkeitsliste der illegalen Abfalllager in Brandenburg aufzustellen und diese dann zeitnah zu beräumen. „Wir müssen auch an den immer wieder verwandten Begriff der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft herangehen“, sagte Raschke. „Wir müssen feststellen, dass es keine gute fachliche Praxis ist, Folienabfälle auf dem Acker zu entsorgen.“

Draht, Folie, Stofffetzen und anderer Unrat ragt aus dem Schliebener Waldweg.
Draht, Folie, Stofffetzen und anderer Unrat ragt aus dem Schliebener Waldweg. FOTO: Benjamin Lassiwe
Müll im Wald Foto: schülzke
Müll im Wald Foto: schülzke FOTO: Benjamin Lassiwe