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| 15:33 Uhr

Großes Aber: Mehr Sexualdelikte
Weniger Kriminalität in Brandenburg

Am Freitag haben Ermittler den Kopf einer moldawischen Einbrecherbande in Berlin verhaftet. Die Gruppe hat auch in Brandenburg und Sachsen erheblichen Schaden angerichtet.
Am Freitag haben Ermittler den Kopf einer moldawischen Einbrecherbande in Berlin verhaftet. Die Gruppe hat auch in Brandenburg und Sachsen erheblichen Schaden angerichtet. FOTO: dpa-tmn / Florian Schuh
Potsdam. Die Zahl der Straftaten ist in Brandenburg im ersten Halbjahr weiter zurückgegangen. Das geht aus Zahlen hervor, die Polizeipräsident Mörke am Dienstag vorgelegt hat. Von Bodo Baumert

Drei Prozent weniger Straftaten im ersten Halbjahr 2018. Das ist die erfreuliche Tendenz, die Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Dienstag in Potsdam verkünden konnte. So gibt es etwa weniger Diebstähle und weniger Gewalt. Es gibt aber auch Besorgnis erregende Trends:

Kriminalität allgemein: Rund 85 000 Straftaten hat die Polizei in den ersten sechs Monaten dieses Jahres festgestellt. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2017 ist das ein leichter Rückgang, der den positiven Trend der vergangenen Jahre fortsetzt. Brandenburg wird immer sicherer, diesen Schluss kann man daraus ziehen. Auch die Aufklärungsquote ist erneut leicht gestiegen, auf nun 56,6 Prozent.

Gewalt: Nach dem dramatischen Anstieg im vergangenen Jahr gibt es hier eine Entspannung. 7,7 Prozent weniger Fälle sind es bisher im Vergleich zum Vorjahr. Zwar handele es sich um vorläufige Zahlen, der Trend sei aber positiv, betont Mörke.

Autoklau: Auch hier gibt es eine weitere Entspannung der Lage. 2,5 Prozent weniger Fälle registriert die Polizei. Ein Grund dafür: erfolgreiche Ermittlungsverfahren. Erst kürzlich wurde eine dreiköpfige Bande in Potsdam verurteilt. Die drei Polen sind laut Polizei für 71 Diebstahlsdelikte verantwortlich. Vor allem auf Skoda und andere VW-Fahrzeuge hatten sie es abgesehen. Nun sitzen sie für jeweils sechs Jahre in Haft. Weitere Ermittlungserfolge seien zeitnah zu erwarten, kündigt Frank Adelsberger, Leiter des Dezernates für Organisierte und Schwere Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA), an. Seit April arbeitet das LKA mit polnischen Behörden in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe „Kfz“ zusammen.

Einbruch: Einen deutlichen Rückgang gibt es bei Wohnungseinbrüchen (- 18,5 Prozent) und bei Firmeneinbrüchen (- 16 Prozent). Vor allem die gemeinsame Ermittlungsgruppe mit Berlin macht sich hier bezahlt. So konnte am Freitag der Kopf einer Einbrecherbande aus Moldawien in Berlin festgenommen werden. Der 40-Jährie soll mit anderen Tätern mindestens zehn Einbrüche in Einfamilienhäuser und Gewerbeeinrichtungen begangen haben – in Brandenburg, Berlin, aber auch in Sachsen. Laut Polzei erlangten die Täter Beute im Wert von über über 100 000 Euro.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: Hier gibt es einen weniger erfreulichen Trend. Die Zahl der Fälle ist um ein Drittel auf 748 gestiegen, allein im ersten Halbjahr 2018. Darunter fallen 72 Vergewaltigungen, 309 Fälle von sexuellem Missbrauch und 228 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. „Das bereitet mir ehrlich Sorgen“, sagt Mörke. Ein Grund für die Zunahme sei zwar die gestiegene Sensibilität in der Bevölkerung. Zu erklären ist der Anstieg aber vor allem durch die Einführung des Paragrafen 184i im November 2016. Er macht Handlungen wie das Berühren von Po und Brüsten sowie das plötzliche Küssen zur Straftat. Seit Mitte vergangenen Jahres fließen solche Fälle auch in die polizeiliche Statistik ein, unter dem Punkt Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Entgegen in sozialen Medien geäußerten Behauptungen sind es nicht Flüchtlinge, die für diesen Anstieg verantwortlich sind. Von 187 Fällen, die im ersten Halbjahr 2018 zusätzlich erfasst wurden, sind gerade einmal fünf auf Zuwanderer zurückzuführen, betont Mörke. „Um es deutlich zu sagen: Der überwiegende Teil der Täter sind Deutsche.“

Planenschlitzer: Ein Plus von 41 Prozent verdeutlicht, warum die Polizei in diesem Bereich erhöhten Handlungsbedarf sieht. Seit Anfang der Woche haben sich Ermittler aus ganz Deutschland in der Projektgruppe „Cargo“ zusammengeschlossen. Die Koordinierung erfolgt aus Magdeburg. Das Brandenburger LKA übernimmt einen Teil der Arbeit und ist für die Koordinierung mit den polnischen Ermittlern zuständig. In den kommenden Tagen reisen deshalb Vertreter aus Potsdam nach Gorzow. Denn so viel ist aus den bisherigen Ermittlungen klar: Die Täter gehören zu einer Bande aus Polen, vermutlich sogar aus einer bestimmten Region.