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| 10:10 Uhr

Jobs in Brandenburg
Weniger befristete Beschäftigte in vielen Branchen

Befristete Arbeitsverträge spielen in vielen Branchen Brandenburgs eine immer unbedeutendere Rolle.
Befristete Arbeitsverträge spielen in vielen Branchen Brandenburgs eine immer unbedeutendere Rolle. FOTO: Andrea Warnecke
Potsdam. Nach wie vor wird in Brandenburg befristet eingestellt. Allerdings können es sich einige Branchen gar nicht mehr leisten, Beschäftigte nur kurz an sich zu binden. Dafür gibt es einen triftigen Grund.

Befristete Arbeitsverträge spielen in vielen Branchen Brandenburgs eine immer unbedeutendere Rolle. Dieser Trend sei für die vergangenen Jahre festzustellen, sagte die Sprecherin des Arbeitsministeriums, Marina Ringel, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Während 2013 noch jeder zehnte Beschäftigte befristet angestellt gewesen sei, sank der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse an der Gesamtbeschäftigung laut Ringel 2016 auf sieben Prozent. Aktuellere Daten gebe es nicht.

„Die Unternehmen suchen dringend Beschäftigte, da werden sie qualifizierte Fachkräfte sicher nicht befristet einstellen“, sagte Günther Päts vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB). Gerade in Branchen, wo akuter Mangel an Mitarbeitern herrsche, wolle man mit Befristungen keine Arbeitnehmer abschrecken.

Dennoch gebe es auch im Handel nach wie vor Arbeitgeber, die befristete Arbeitsverträge anböten, räumte Päts ein. Das seien insbesondere kleinere Betriebe, deren wirtschaftliche Entwicklung schlecht zu prognostizieren sei. „Da ist ein Ende des Vertrages dann meist einfacher als eine betriebsbedingte Kündigung.“ Auch bei Elternzeitvertretungen oder Saisonarbeit würden Stellen befristet besetzt.

In der Gastronomie ist das allerdings immer seltener der Fall, wie der Präsident des Brandenburgischen Hotel- und Gaststättenverbands, Olaf Schöpe, berichtete. Dies sei allein schon wegen der rückläufigen Zahl reiner Saisonbetriebe so. „In der Nebensaison besteht für das Personal dann auch die Möglichkeit, Überstunden abzubummeln.“ Darüber hinaus könne es sich seine Branche angesichts des akuten Fachkräftemangels gar nicht leisten, gute Mitarbeiter nur kurzfristig an sich zu binden.

Laut Päts ist es Arbeitgebern ohnehin nur möglich, Arbeitnehmer über einen Zeitraum von zwei Jahren befristet anzustellen. „Viele werden danach auch übernommen.“ Von den Beschäftigten, deren Befristung im ersten Halbjahr 2016 endete, rutschten 39 Prozent in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, wie Ministeriumssprecherin Ringel berichtete. 2009 habe der Anteil nur 30 Prozent betragen.

Während der Anteil befristeter Stellen an der Gesamtbeschäftigung abgenommen hat, liegt er bei den jährlichen Einstellung bedeutend höher und das schon seit Jahren. Zuletzt war 2015 über die Hälfte aller Einstellungen im Land nach Angaben des Arbeitsministerium befristet; 58 Prozent von ihnen seien Frauen gewesen.

„Arbeitnehmern bringen Befristungen vor allem Nachteile“, stellte Daniel Wucherpfennig vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg fest. Sie befänden sich im permanenten Wartestand und schöben Wichtiges auf - vom Spargroschen bis zur Familiengründung. „Die Arbeitnehmer wehren sich häufig nicht aus Angst, einen möglichen Anschlussvertrag zu gefährden.“

Zwar lägen befristet und unbefristet Beschäftigte bei den Einstiegsgehältern gar nicht so weit auseinander. Je länger aber befristet gearbeitet werde, desto größer würden die Unterschiede. „Wer einen Zeitvertrag hat, profitiert seltener von Lohnerhöhungen, Aufstiegs- und Weiterbildungsangeboten“, erklärte der DGB-Referent. „Wir fordern vom Gesetzgeber die sogenannte sachgrundlose Befristung wieder abzuschaffen.“ Dafür setzt sich auch das Land Brandenburg ein. Damit folgt es Ringel zufolge seinem strategischen arbeitspolitischen Ansatz zur Förderung guter Arbeit. dpa/fh

(dpa)