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| 14:03 Uhr

Interview zum Weltspartag
Deutsche steigen gern zu früh aus

Volkswirt Franz-Josef Leven.
Volkswirt Franz-Josef Leven. FOTO: Aktieninstitut
Cottbus . Ein Schulfach Wirtschaft für alle wäre gut für die allgemeine Finanzbildung. Das sagt Dr. Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts.

Als der Weltspartag seine Blüte hatte, ging man zur Bank, lieh der sein Geld für größere Vorhaben, bekam satte Zinsen und am Ende einen Batzen Geld. Warum funktioniert das heute nicht mehr?

Leven Nach der Finanzkrise 2008 haben die Notenbanken die Zinsen extrem gesenkt, um die europäische Wirtschaft und die südlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu stützen. Ein Zinsanstieg ist derzeit in Europa immer noch nicht in Sicht. Aber erst dann würde das Sparbuch wieder eine, sagen wir, halbwegs rentable Anlage.

Die Deutschen sind Sparweltmeister, aber nicht die Vermögendsten, was machen wir falsch?

Leven „Die Deutschen“ (es gibt natürlich Ausnahmen) sparen zwar sehr viel und sehr kontinuierlich, aber in einer falschen Art und Weise: Sie legen zu viel Geld in nichtverzinsliche Sparbuchanlagen oder Festgelder und zu wenig in rentable Anlageformen wie Aktien oder Aktienfonds. Und wenn sie einmal in Aktien anlegen, neigen sie dazu, bei kurzfristigen Kursrückschlägen zu früh auszusteigen und damit Rendite zu verschenken.

Wie kann ein junger Mensch trotz Bankenkrisen und Niedrigzinsen heute optimal Vermögen bilden?

Leven Es kommt darauf an, früh anzufangen und kontinuierlich zu sparen. Zuerst braucht man eine Liquiditätsreserve und eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit. Und dann kann man schon ab 25  Euro im Monat kontinuierlich Aktienfondsanteile kaufen und so langfristig eine solide Altersvorsorge aufbauen. Wer in den nächsten Jahren größere Anschaffungen plant, wird auch im festverzinslichen Bereich Ersparnisse bilden. Beim Geldanlegen ist es wie im wahren Leben: Anleger sind verschieden. Daher ist eine gute Beratung bei einer Bank oder Sparkasse immer sehr zu empfehlen.

Deutsche gelten als aktienscheu, wer kann das ändern, wie?

Leven Das geht nur über eine bessere ökonomische Bildung durch ein Schulfach Wirtschaft und eine langfristig positive Erfahrung breiter Bevölkerungskreise mit einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Diese ist angesichts der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Umlageverfahrens ohnehin notwendig – leider hat die Politik das noch nicht in eine konkrete Aktion umgesetzt.

Überall schießen Eigenheimstandorte aus dem Boden – wie bewerten Sie Betongold als Vermögensbildung?

Leven Ein selbstgenutztes Eigenheim ist natürlich sehr gut, vor allem, wenn es im Alter abbezahlt ist und keine Miete (wohl aber Renovierungskosten!) mehr anfällt. Ausschließlich in Immobilien zu investieren, ist aber gefährlich, denn dann hat man alles auf ein einziges Pferd gesetzt. Nur eine breit gestreute Vermögensstruktur ist aber eine gute Vermögensstruktur. Der Bezieher eines normalen Einkommens muss sich im Regelfall verschulden, um eine Immobilie zu erwerben. Das ist nur für junge Menschen sinnvoll, die bis zur Rente ihre Schulden tilgen können.

Mit Franz-Josef Leven sprach ­Sybille von Danckelman