| 02:32 Uhr

Weltmeisterin in Brandenburgs Landtag

Sylvia Beckers war schon in ihrer Schulzeit Mitglied einer Steno-Arbeitsgemeinschaft.
Sylvia Beckers war schon in ihrer Schulzeit Mitglied einer Steno-Arbeitsgemeinschaft. FOTO: B. Lassiwe/iwe1
Potsdam. Im Landtagsprotokoll vom Donnerstag steht dann wohl "Applaus im ganzen Haus". Eine Bemerkung, die die 29-jährige Sylvia Beckers normalerweise selbst aufschreibt. Benjamin Lassiwe

Denn sie ist Landtagsstenografin: Wenn das Parlament zu einer Plenarsitzung zusammenkommt, schreibt sie die Reden mit. Und nicht nur die. "Für die Reden haben wir auch ein Tonband, das als Rückfallebene dient", sagt Beckers. "Genau hinhören müssen wir bei Zwischenrufen, Beifall, Heiterkeit, oder wenn Glückwünsche oder Blumen überreicht werden." Denn auch all das soll sich später im Protokoll der Plenarsitzung wiederfinden. "Aber das hören wir auf dem Tonband dann nicht mehr."

Doch wenn Sylvia Beckers - die derzeit die jüngste Stenografin im Potsdamer Landtag ist - die Reden mitschreibt, kann man sich darauf verlassen, dass diese Details im Protokoll vorhanden sind. Bei der "Intersteno", der Weltmeisterschaft der Stenografen in Berlin, errang sie kürzlich den Weltmeistertitel im Protokollieren. Was dann auch der Anlass für den Applaus im Landtag war - denn kurz zuvor hatte Präsidentin Britta Stark (SPD) den Abgeordneten vom Erfolg der Verwaltungsmitarbeiterin berichtet.

Wie sie zur Stenografie gekommen ist? "Das ist ein Hobby, das bei uns in der Familie liegt", berichtet Beckers. Schon in der Schule im westfälischen Rheine habe sie in einer Stenografie-Arbeitsgemeinschaft mitgemacht, im Studium hätten diese Kenntnisse dann sehr geholfen. Und als nach der Masterarbeit im Fach "Text und Medienübersetzung" ein Posten beim Brandenburger Landtag frei wurde, passte eines zum anderen.

Welcher Abgeordnete besonders schwer zu protokollieren ist, will sie nicht sagen. "Es ist einerseits nett, wenn jemand einfach nur sein vorbereitetes Skript abliest", sagt Beckers. "Aber es macht auch Spass, wenn man jemanden hat, der frei von der Leber spricht."

Besonders anspruchsvoll seien jedenfalls die Protokolle im NSU-Untersuchungsausschuss. "Wenn da ein Fehler im Protokoll ist, kann das für den Betreffenden auch rechtliche Konsequenzen haben." Ob sie Angst hat, dass eines Tages einmal die Technik ihre Aufgaben komplett übernimmt? "Eine Spracherkennungssoftware kann ja Fehler nicht berichtigen", sagt Beckers. Und beim Landtagsprotokoll würden eben auch schon einmal Versprecher oder falsche Fakten korrigiert ", sagt sie, "sofern sie für den Verlauf der Debatte nicht entscheidend sind". Wenn sich andere Abgeordnete oder Zwischenrufer explizit auf einen Fehler beziehen, blieben die natürlich am Ende bestehen.