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Riesige Resonanz bei Facebook
Weihnachtssterne werden zum Mutmacher für krebskranken Timo

Der Facebook-Aufruf des an Krebs erkrankten Jungen beschert ihm eine weltweite Anteilnahme. Im November veröffentlichte er einen Beitrag auf Facebook. Sein Anliegen: Schickt mir Weihnachtssterne. Symbolisieren sollen die Sterne eine Anteilnahme am Schicksal der Kinder, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben und an dem derer, die ihn noch immer führen.
Der Facebook-Aufruf des an Krebs erkrankten Jungen beschert ihm eine weltweite Anteilnahme. Im November veröffentlichte er einen Beitrag auf Facebook. Sein Anliegen: Schickt mir Weihnachtssterne. Symbolisieren sollen die Sterne eine Anteilnahme am Schicksal der Kinder, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben und an dem derer, die ihn noch immer führen. FOTO: Patrick Pleul / ZB
Beeskow. Ein paar selbst gebastelte Sterne aus fernen Ländern hat sich ein krebskranker Junge zu Weihnachten gewünscht. Sein Aufruf über Facebook hat eine riesige Resonanz. Jeanette Bederke, dpa

Ein knapp sieben Meter hoher Weihnachtsbaum steht im Garten von Familie Wagener in Beeskow. Ihn zu schmücken, dauert Tage. Genug Material zum Dekorieren gibt es allerdings: Knapp 5000 selbst gebastelte Weihnachtssterne aus 66 Ländern sind in den vergangenen Wochen per Post in Brandenburg angekommen - aus Holz, Papier, Glas oder Filz, gehäkelt, gefaltet oder geschnitzt. Sterne als Zeichen der Hoffnung hat sich Timo Wagener (15) im November über Facebook gewünscht - und zwar aus solchen Ländern, in die der Junge gerne reisen würde, es aber nicht kann.

Timo hat Krebs, bereits seit seinem siebten Lebensjahr. Damals war ein bösartiger Tumor in seinem Bein entdeckt und per Chemotherapie bekämpft worden. Nach vier Jahren Kampf hatte der Junge eine Weile Ruhe, schöpfte Hoffnung, ging zur Schule, träumte von einem Beruf als IT-Spezialist. Doch im Frühling dieses Jahres war der Krebs wieder da, Ärzte entdeckten Metastasen in seiner Lunge. Ein Schicksal, das offenbar Menschen weltweit berührt.

Auf 30, 40 Zusendungen hatte Timo gehofft. Was sein Facebook-Post allerdings für eine Welle der Solidarität und Anteilnahme ausgelöst hat, ist für ihn immer noch überwältigend. «Damit hätte ich nie im Leben gerechnet», sagt der blasse Junge mit den großen braunen Augen leise. Nicht nur Sterne werden ihm zugeschickt, sondern auch Briefe voller lieber Wünsche und mutmachender Worte.

«Es gibt so viel Hass auf dieser Welt und dann passiert so etwas. Mit einem einfachen Post bringst du Menschen zum Nachdenken», sagt Mutter Nicole Wagener, die jede Zusendung liest und der dabei regelmäßig die Tränen kommen. Timo selbst hat für die täglich ankommende Post zeitweise keine Kraft und Zeit.

Der 15-jährige Timo Wegener betrachtet Sterne aus verschiedenen Ländern der Erde an einem Weihnachtsbaum in der heimischen Wohnung in Beeskow (Brandenburg).
Der 15-jährige Timo Wegener betrachtet Sterne aus verschiedenen Ländern der Erde an einem Weihnachtsbaum in der heimischen Wohnung in Beeskow (Brandenburg). FOTO: Patrick Pleul / ZB

Gerade ist er aus der Berliner Charité zurück, wo er alle zwei Wochen mehrere Tage lang zur Chemotherapie hinmuss. Schüttelfrost und Schmerzen zählen zu den Nebenwirkungen. Auch danach geht es dem Jungen schlecht, er ist schlapp, schläft viel. Erst im Februar nächsten Jahres können die Ärzte feststellen, ob die Therapie anschlägt. «Allen, die mich unterstützen, kann ich nicht persönlich antworten», sagt Timo bedauernd.

Den mit den Sternen geschmückte Baum aber wird er fotografieren und auf Facebook posten - als Dankeschön, wie er sagt. «Die Sterne stehen für alle Betroffenen, die gegen Krebs kämpfen, auch für die, die es nicht geschafft haben», sagt er. Hat er doch schon mehrere Freunde verloren, die er im Krankenhaus kennengelernt hatte.

Ein ganz besonderes Geschenk bekam er erst kürzlich aus Brasilien. Die Schönheitskönigin von 2016 schickte ihm eine Weihnachtsbaum-Kugel mit ihrem Porträt. Eine türkische Schulklasse hat ihm ein Pfirsichbäumchen gepflanzt. Die Kinder wollen es pflegen, bis Timo selbst einmal vorbei kommt, haben sie ihm geschrieben. «Das ist ja das Tolle», sagt Mutter Wagener. «Timo wird von vielen Absendern eingeladen - nach Bali, Marokko oder Neuseeland sollen wir kommen», erzählt die 37-Jährige sichtlich gerührt. Doch dafür müsse es dem Jungen erst einmal besser gehen.

Das Weihnachtsfest verbringt die Familie in Beeskow. Neben dem großen Baum im Garten gibt es noch einen kleineren im Wohnzimmer, über und über beladen mit Sternen. Timo freut sich schon auf den Jahreswechsel, den er mit den Eltern in Hamburg verbringen wird, auf Einladung eines Geschäftsmannes, der anonym bleiben möchte.

«Es ist mir eine Herzenssache», sagt der 37-Jährige, der mehrfach mit der Familie telefoniert hat. Timo sei so bescheiden, wenn er ihn nach Wünschen gefragt habe. «Ich wollte, dass er mal Abwechslung hat», sagt der Mann, der ein Hotel am Hafen als Sponsor gewinnen konnte, einige Überraschungen geplant hat und dem 15-Jährigen Hamburg zeigen will.

 Im November veröffentlichte er einen Beitrag auf Facebook. Sein Anliegen: Schickt mir Weihnachtssterne. Symbolisieren sollen die Sterne eine Anteilnahme am Schicksal der Kinder, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben und an dem derer, die ihn noch immer führen.
Im November veröffentlichte er einen Beitrag auf Facebook. Sein Anliegen: Schickt mir Weihnachtssterne. Symbolisieren sollen die Sterne eine Anteilnahme am Schicksal der Kinder, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben und an dem derer, die ihn noch immer führen. FOTO: Patrick Pleul / ZB

Auch nach dem Weihnachtsfest sollen die Sterne aus aller Welt nicht einfach in den Keller wandern. Timo und seine Mutter planen eine Ausstellung für die nächste Vorweihnachtszeit, am liebsten auf der Burg Beeskow, die alljährlich Tausende Besucher zählt.