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| 15:33 Uhr

Leag will Vorschläge für Hilfsmaßnahmen unterbreiten
Bergbau und trockene Seen

Der Wasserverlust am Pinnower See bereitet Uwe Kruschel Sorgen. Er ist der neue Pächter des Campingplatzes am See.
Der Wasserverlust am Pinnower See bereitet Uwe Kruschel Sorgen. Er ist der neue Pächter des Campingplatzes am See. FOTO: Halpick
Cottbus. Die Grafiken, die auf dem Tisch von Hans-Georg Thiem, Präsident des Brandenburger Landesbergamtes in Cottbus liegen, sprechen eine deutliche Sprache. Darauf eingezeichnete Messwerte seit dem Jahr 2000 belegen, dass mehrere Seen nördlich des Grundwasser-Absenkungstrichter des Tagebaus Jänschwalde kontinuierlich Wasser verlieren. Von Simone Wendler

Der Rückgang ist erheblich. Am Pinnower See wurde im vorigen Sommer ein Pegelminus von inzwischen etwa eineinhalb Metern verzeichnet. Auch an Kleinsee und Großsee und am Deulowitzer See ist der Wasserstand sichtbar zurückgegangen. Das belastet nicht nur die Natur. Die Seen sind auch beliebte Badegewässer mit Campingplätzen und Wochenendgrundstücken.

„Der Pinnower See hat sich inzwischen geteilt, da kann man trockenen Fußes hindurchgehen“, beschreibt der Schenkendöberner Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) die Situation. 550 Bungalows stünden dort. Es müsse schnell Hilfe organisiert werden, fordert er: „Wir brauchen Stabilisierung und eine Trendwende.“

Den Anfang der trockenfallenden Gewässer in dem Gebiet machte 2015 mit einer dramatischen Situation der Pastlingsee bei Schenkendöbern (Spree-Neiße). Es fehlte so viel Wasser, dass Tausende Fische starben. Inzwischen wird durch den Bergbaubetreiber Leag gehobenes Grundwasser aus einem Wasserwerk in Jänschwalde in den Pastlingsee geleitet.
Den Anfang der trockenfallenden Gewässer in dem Gebiet machte 2015 mit einer dramatischen Situation der Pastlingsee bei Schenkendöbern (Spree-Neiße). Es fehlte so viel Wasser, dass Tausende Fische starben. Inzwischen wird durch den Bergbaubetreiber Leag gehobenes Grundwasser aus einem Wasserwerk in Jänschwalde in den Pastlingsee geleitet. FOTO: Bernd Settnik

Den Anfang der trockenfallenden Gewässer in dem Gebiet machte 2015 mit einem dramatischen Situation der Pastlingsee. Er liegt, anders als die anderen Seen, bereits mitten in dem Gebiet, in dem das Grundwasser für die Braunkohlegrube ständig abgepumpt wird. 2015 fehlte so viel Wasser, dass Tausende Fische starben.

Inzwischen wird durch den Bergbaubetreiber Leag gehobenes Grundwasser aus einem Wasserwerk in Jänschwalde in den Pastlingsee eingeleitet. „Das funktioniert, dem See geht es gut“, versichert Leag-Sprecher Thoralf Schirmer.

Für die anderen nördlich davon gelegenen Seen soll nun auch bald Hilfe gegen den Wasserschwund einsetzen. Ende Januar war bei einem Gespräch mit dem Bergbauunternehmen Leag im Umweltministerium eine Arbeitsgruppe gegründet und das weitere Vorgehen besprochen worden.

Wenn die Runde, an der Landesbergamt, Wasserbehörde und andere Fachbereiche neben der Leag beteiligt sind, Ende März zu ihrer nächsten Sitzung zusammenkommt, sollen Zielwasserstände und mögliche Stützmaßnahmen mit ihrem für und wider besprochen werden. Das bestätigt auf Nachfrage die zuständige Referatsleiterin im Umweltministerium, Ute Schreiber.

Die Vorschläge für die Hilfsmaßnahmen soll das Bergbauunternehmen Leag unterbreiten. Wird über diese Maßnahmen schnell Einigung erzielt, so Landesbergamtschef Thiem, könnten die notwendigen Genehmigungsverfahren auf den Weg gebracht werden: „Wir wollen das so schnell wie möglich durchziehen.“ Als möglichen Zielwert der Bemühungen ist der Wasserstand des Jahres 2010 im Gespräch.

Strittig ist dagegen, wie groß der Einfluss des nach Norden vorrückenden Tagebaus Jänschwalde an dem Wasserverlust der Seen ist. „Die Abgrenzung ist schwierig“, sagt Bergamtschef Thiem. Neben dem Bergbau spielten vermutlich auch andere Faktoren wie regenarme Jahre und große Verdunstung durch Hitze eine Rolle. Dass der Bergbau jedoch auch ein möglicher Verursacher ist, das hatte im vorigen Dezember bereits das Brandenburger Umweltministerium eingeräumt.

Das Bergbauunternehmen Leag ist da anderer Auffassung. „Wir sind an den Seen bisher mit dem Absenkungstrichter noch nicht dran“, versichert Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Deshalb habe der Bergbau mit den bisherigen Wasserverlusten noch nichts zu tun.

Mit dem Vorrücken des Tagebaus werde es jedoch bald zu einer Beeinflussung der Seen kommen. Deshalb bereite die Leag für die Arbeitsgruppe der Landesbehörden Vorschläge vor, wie die Seen zusätzlich Wasser bekommen könnten, so Schirmer. Das Unternehmen macht derzeit jedoch keine Angaben, in welchem Maße es Kosten übernehmen wird.

Mehr Wissen über die genaueren Ursachen der Wasserverluste sollen  zusätzliche Messungen und geologische Untersuchungen bringen, erklärt Landesbergamtschef Hans-Georg Thiem. Zum Pastlingsee laufe eine spezielle Untersuchung der Grundwassersituation durch ein Cottbuser Ingenieurbüro.

Ein externes Gutachten zu den Seen nördlich des Tagebaus, wie es von der Landtagsabgeordneten der Grünen Heide Schinowsky gefordert werden, hält die zuständige Referatsleiterin im Umweltministerium nicht für notwendig. Es gebe neben den Grundwasserpegeln der Leag auch zahlreiche Pegel des Landesumweltamtes. „Das muss nur alles auf den Tisch und gründlich ausgewertet werden“, so Ute Schreiber.

Für René Schuster vom Umweltverband Grüne Liga kommt das alles viel zu spät: „In der 2016 vom Umweltministerium eingerichteten Arbeitsgruppe für den Pastlingsee wurde immer wieder auch auf die Situation in den anderen Seen hingewiesen.“ Die im Januar eingerichtete neue kleine Arbeitsgruppe für die anderen Seen betrachtet er mit Misstrauen, weil weder Umweltverbände, noch die Gemeinden beteiligt seien: „Da muss mit krummen Tricks gerechnet werden.“

Für Schuster gibt es jetzt nur eine denkbare Lösung: Den Tagebau nicht wie geplant bis zur Taubendorfer Rinne zu führen, sondern früher anzuhalten. Sein Verband prüfe gerade, ob es möglich sei, rechtliche Schritte zu unternehmen, um das zu erreichen.