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| 02:42 Uhr

"Was hier geschieht, ist Volksverhetzung"

Manfred Stolpe (l.) und Burkhard Jung engagieren sich für ein friedliches Miteinander.
Manfred Stolpe (l.) und Burkhard Jung engagieren sich für ein friedliches Miteinander. FOTO: dpa
Leipzig. Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe fordert mehr Unterstützung für die Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen. "Der Bund muss sich stärker engagieren", sagte Stolpe jetzt in Leipzig. Christine Keilholz

Der 79-jährige SPD-Politiker ist auch Ko-Vorsitzender der Flick-Stiftung, die Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz unterstützt.

In Leipzig, wo die Stiftung demnächst 15 000 Euro in ein Theaterprojekt investieren will, stärkte Stolpe seinem Parteikollegen Burkhard Jung den Rücken. Leipzigs OB hatte jüngst in der Talkshow von Markus Lanz von Morddrohungen gegen seine Person berichtet. Bei öffentlichen Auftritten werde er schon seit einem Jahr ab und zu von der Polizei geschützt, sagte das 57-jährige Stadtoberhaupt. Er habe Sorge, dass bei den vielen Hassbotschaften jemand Ernst machen könnte.

"Was hier geschieht, ist Volksverhetzung", sagte Stolpe. Die Stiftung wolle "Solidarität mit Leipzig zeigen, gerade damit nach Legida das Bild der Stadt nicht besudelt wird". Der Leipziger Ableger von Pegida zieht zwar nur wenige Hundert Mitläufer an, tritt aber deutlich radikaler auf als die selbst ernannten Retter des Abendlands in Dresden.

Nach deren letztem Auftritt am Montag empfindet der Theologe Friedrich Schorlemmer Angst. "Was dort gesagt wird, dieses ,Wir werden siegen‘, das macht mir Angst", so Schorlemmer, der ebenfalls für die Flick-Stiftung in Leipzig war. Dass dort Leute marschierten, die kein bisschen Mitgefühl hätten, davon könne einem kalt werden. "Wir wollen alle die unterstützen, die sich nicht daran beteiligen, Ressentiments für ein Argument zu halten", sagt der 71-jährige evangelische Pfarrer und Sozialdemokrat.

Die 2001 vom Unternehmer Friedrich Christian Flick gegründete Stiftung mit Sitz in Potsdam fördert Projekte zur Völkerverständigung und gegen Gewalt unter Jugendlichen. Bis jetzt waren das laut Stiftungsrat mehr als 200 Projekte, so bei der brandenburgischen Sportjugend und an mehreren Schulen in Potsdam. Neben Leipzig steht aktuell auch die sächsische Kleinstadt Heidenau im Fokus. Nachdem dort im Sommer schwere Unruhen vor einer Notunterkunft tobten, haben 40 örtliche Initiativen um Unterstützung gebeten.

Zum Thema:
Die Mehrheit der Ostdeutschen glaubt in der Flüchtlingspolitik nicht an das Credo "Wir schaffen das!" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des Radiosenders MDR Info ergeben. 61 Prozent der Befragten im Osten äußerten, dass sie an die Aussage nicht glauben. 36 Prozent teilen Merkels Zuversicht. Im Westen unterstützen 53 Prozent der Befragten Merkel. Bundesweit sind es 49 Prozent. Mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sind 69 Prozent der Befragten weniger oder gar nicht zufrieden. Im Osten liegt dieser Anteil sogar bei 77 Prozent. Für die Umfrage hat infratest dimap zwischen dem 17. und 20. Oktober 1006 Wähler befragt.