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| 08:52 Uhr

Wahl-Frust bei der CDU schon wieder verflogen

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will die innerparteiliche Manöverkritik nach der Bundestagswahl bis Anfang Dezember unter der Decke halten. Das hindert die Christdemokraten in Brandenburg aber nicht daran, in Regionalkonferenzen ihr regionales Wahldebakel aufzuarbeiten. Der große Frust in der Mark ist aber schon verflogen. Von Thorsten Metzner Von Thorsten Metzner und Jan Siegel

Jörg Schönbohm wirkte gut gelaunt wie lange nicht. Kein Wunder: Die erste Regionalkonferenz der Brandenburger CDU, zur Aufarbeitung der Wahlniederlage in dieser Woche in Cottbus endete glimpflich für ihn. Zwar musste sich der CDU-Landesvorsitzende bei der Generalaussprache unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Hotel Radison SAS erneut Vorwürfe wegen seiner These von der Proletarisierung Ostdeutschlands durch die SED anhören, die der märkischen Union den Wahlkampf verhagelt hatte. Aber es blieben Einzelstimmen. Keine Rücktrittsforderungen Die Parteizentrale registrierte nach dem Treffen, an dem rund 150 CDU-Mitglieder aus den drei südlichen Kreisverbänden Brandenburgs teilgenommen hatten: drei Schönbohm-Kritiker bei 17 Wortmeldungen. Rücktrittsforderungen wie noch vor einigen Wochen, gab es gar keine – trotz des miserablen 20-Prozent-Ergebnisses. Das war immerhin bundesweit das schlechteste der Union, die in Brandenburg hinter SPD und Linkspartei nur drittstärkste Kraft wurde.Wind aus den Segeln genommen Schönbohm selbst nahm den Wind aus den Segeln eventuell noch anwesender Kritiker, als er während der Regionalkonferenz bekräftigte: "Ich habe gesagt, dass ich 2007 aufhöre". Davor hatte ein Wahlforscher in Cottbus das Wahlergebnis und die Entwicklung der Umfragewerte vor der Bundestagswahl unter die Lupe genommen. Seine Analyse bekräftigt, dass Schönbohms Proletarisierungs-Analyse und auch Stoibers Ost-Frust-Reden für ein deutliches Absinken der Umfragewerte für die Union in Brandenburg bewirkten. Aber allzu viel Zeit wollten die Teilnehmer der Cottbuser Regionalkonferenz – die immerhin drei Stunden dauerte – dann doch nicht mit der Rückschau verbringen. "Der Blick der Partei ist wieder nach vorn gerichtet. Wir müssen jetzt die Grundlage für eine erfolgreiche Landtagswahl 2009 legen", sagt der Cottbuser CDU-Chef Michael Schierack über den spürbaren Stimmungswandel, für den Schönbohm selbst mit seiner Ankündigung 2007 nicht erneut als Parteichef zu kandidieren das entscheidende Signal gegeben hat. "Das ist eine klare Linie", sagt etwa Margret Keller, Kommunalpolitikerin aus Dahme-Spreewald. "Das ist gut so, schon aus Altersgründen", meint Wolf-Dietrich von Frantzius, ein Christdemokrat aus Cottbus. "Er soll bis 2007 die Zügel halten. Wir wollen ja auch nicht die Zustände in der Partei wieder, die vor Schönbohm herrschten", sagen auch "junge Wilde" wie Benjamin Kaiser, Kreischef der Jungen Union in Dahme-Spreewald. Zwar gab sich Schönbohm vor der Basis bedeckt, wer ab 2007 die Landes-CDU führen soll. "Das muss die Partei dann entscheiden". Doch dass der "Alte" Wirtschaftsminister und Vizeparteichef Ulrich Junghanns favorisiert, der als integrationsfähig gilt, ist in der Union ohnehin ein offenes Geheimnis. Führung im Team absehbar Die Basis stellt sich darauf ein, dass nach dem Abgang Schönbohms zwangsläufig ein Team die Partei führen muss. "Man muss die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Das ist auch gut so", sagt etwa Marko Suske, CDU-Mitglied aus Herzberg. Wie Suske können sich viele mit jenem Szenario anfreunden, das einige für die Wunsch-Lösung Schönbohms halten: Junghanns wird 2007 Parteichef – und die charismatischere Wissenschaftsministerin Johanna Wanka als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2009 "aufgebaut". Die Basis, so der Eindruck, scheint der Nach-Schönbohm-Ära gelassen entgegen zu sehen.