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| 11:01 Uhr

„Wäre eine Katastrophe“: Sternmarsch gegen Braunkohle-Pläne

Blick über Abraumhalden des Jänschwalder Braunkohletagebaus auf die qualmenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG am 04.01.2015 in Jänschwalde (Brandenburg).
Blick über Abraumhalden des Jänschwalder Braunkohletagebaus auf die qualmenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG am 04.01.2015 in Jänschwalde (Brandenburg). FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Kerkwitz. Dorfbewohner in der Lausitz stemmen sich gegen die drohende Abbaggerung ihrer Heimat für die Braunkohle. Mit einem Sternmarsch wollen sie ein Zeichen setzen - und eine Botschaft nach Polen senden. Von Anna Ringle, dpa

Seit Jahren kämpfen drei Dörfer in Südbrandenburg gegen ihre drohende Abbaggerung. Unweit von ihnen liegt der Braunkohle-Tagebau Jänschwalde, der in einigen Jahren erweitert werden könnte. Den Plan des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, seine Gruben und Kohle-Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen abzustoßen, verbinden einige der Einwohner mit der Hoffnung, doch nicht umsiedeln zu müssen. Derzeit treibt die Grenzbewohner aber noch etwas anderes um: Braunkohle-Pläne in Polen. Denn dort stehen die Zeichen für den fossilen Energieträger - im Gegensatz zu Deutschland - gut.

Im Grenzgebiet zu Brandenburg könnte in einigen Jahren ein riesiges Braunkohlerevier erschlossen werden. Die Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis liegen jetzt schon ganz in der Nähe einer Braunkohlegrube auf deutschem Boden. Kämen auf polnischer Seite weitere hinzu, wären die Dörfer quasi vom Tagebau umgeben, so die Befürchtung.

„Sollte das alles wirklich so kommen, wäre das eine Katastrophe“, sagt Roland Lehmann (parteilos). Der Ortsvorsteher von Kerkwitz ist überzeugt: „Die Jungen werden dann von hier abhauen.“ In dem Dorf leben rund 500 Menschen.

Bis Mitte Januar können Grenzbewohner und brandenburgische Behörden Einwände gegen ausgelegte Planungs-Unterlagen bei ihren polnischen Nachbarn erheben. Unlängst hatte ein Vertreter der Woiwodschaft Lebus die Tagebaupläne in Cottbus vorgestellt.

Bei der polnischen Grenzstadt Gubin könnte demnach eine riesige Grube - Gubin 2 - entstehen. Eine Milliarde Tonnen Braunkohle könnten ab 2025 abgebaggert werden. Die Abbauzeit würde mehr als 50 Jahre betragen. Die Entwürfe sehen auch Stromerzeugung vor. Ein Braunkohlekraftwerk könnte ab 2030 starten. Entlang der deutsch-polnischen Grenze ist auch ein neues Hochspannungsnetz angedacht. Der entsprechende Raumordnungsplan wird derzeit in Polen überarbeitet.

Der traditionelle jährliche Sternmarsch von Braunkohlegegnern in den drei brandenburgischen Dörfern soll dieses Mal (3. Januar, 13.00 Uhr) vor allem ein Zeichen gegen die polnischen Pläne sein. Initiiert wurde die erste Demo vor Jahren, um gegen die geplante Erweiterung der Vattenfall-Grube Jänschwalde zu protestieren. Mit den Verkaufsplänen der Braunkohlesparte in Ostdeutschland ist das etwas in den Hintergrund gerückt.

Im Herbst 2014 hatte Vattenfall bekanntgemacht, künftig stärker auf erneuerbare Energie zu setzen. Vor Tagen kündigte der schwedische Staatskonzern an, in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in die Windstromerzeugung zu investieren. Die Braunkohle, die besonders klimaschädlich ist, passt nicht zu diesem Image.

Für die ostdeutsche Braunkohle interessieren sich mehrere Konzerne, darunter einige aus Tschechien. Der teilstaatliche Energieversorger CEZ zum Beispiel hatte kurz vor Weihnachten ein unverbindliches Angebot gemacht. Bis Ende Januar sollen nach dpa-Informationen alle eingetroffenen Offerten bei Vattenfall geprüft werden. Bis Mitte 2016 soll dann ein neuer Käufer feststehen. In der Branche arbeiten rund 8000 Mitarbeiter.

Die Organisatoren des Sternmarschs rechnen mit rund 800 Teilnehmern - etwa genauso viele wie 2014. Die Braunkohlegegner laufen sternförmig aus den drei Dörfern aufeinander zu und treffen sich auf einer Wiese. „Wir erwarten auch von den brandenburgischen Landesbehörden, dass sie gegenüber den polnischen Stellen die Interessen der grenznah betroffenen Bürger konsequent vertreten, statt Tagebau-Fantasien dies- und jenseits der Neiße durchzuwinken“, sagt Mitorganisator Christian Huschga.